Unsere Erfahrungen mit unseren Tauernschecken
Bei diesen Inhalten beschreiben wir unsere ganz persönlichen Erfahrungen, die wir mit unserer Ziegenhaltung im Kleinformat tagtäglich machen. Unsere Ziegen sind die ersten Nutztiere, die wir halten. Wichtig zu wissen ist, dass wir keine landwirtschaftliche und auch keine tierärztliche Ausbildung haben. Wir versuchen unser Wissen durch Kurse z.B. beim LFI und ntö in Österreich stetig zu erweitern.
Jeder hat andere Voraussetzungen und Möglichkeiten. Unsere persönlichen Erfahrungen, die wir hier beschreiben, sind keine Empfehlungen, wie man es machen sollte, sondern nur eine von vielen Möglichkeiten, wie man es machen kann.
Die genannten Produkte im Text, die wir mit Links versehen haben, sind Produkte, die wir selbst verwenden. Durch die Verlinkung möchten wir es nur erleichtern, wenn jemand mehr darüber erfahren möchte. Wir haben durch die Nennung und Verlinkung keinerlei monetäre Vorteile.
Ziegenstall:
Boxenhaltung vs. Laufstall bei unseren gehörnten Ziegen
Ich erinnere mich noch gut, als wir einem anderen Tauernschecken-Züchter erzählt hatten, dass wir es zu Beginn mit einer Laufstallhaltung probieren werden und er mit einem Schmunzeln meinte "Ja, so fangen alle an."
Bei der Laufstallhaltung sind wir zwar immer noch, aber im Winter und vor allem während der Trächtigkeit und in den ersten Wochen mit den Kitzen, gönnen wir jedem Muttertier eine eigene Box. D.h. die Tiere werden drei bis vier Monate in separaten Boxen und die andere Zeit im Laufstall mit Auslauf bzw. auf der Weide gehalten. In den Jahren in denen wir keinen Kitze erwarten, bekommen die Mütter mit Ihrem Nachwuchs, auch wenn er schon älter ist, Gruppenboxen, in denen es dann auch erhöhte Flächen gibt. Die sind wichtig, damit das rangniedere Tier in einer Familie nach oben flüchten kann und dort auch einen Fressplatz hat.
Durch die Hierarchie und den Futterneid bei den Ziegen, ist es im Laufstall eine ziemliche Herausforderung, dass alle Ziegen genügend Futter abbekommen und gut versorgt sind. Indem man jeder Ziege im Winter eine Box zur Verfügung stellt, kann man das z.B. während der Trächtigkeit sehr gut sicherstellen.
Im Laufstall ist es tatsächlich wichtig, dass man pro Ziege mindestens 1,5 Futterplätze einplant. Normalerweise können an einer Raufe je nach Breite mehrere Tiere gleichzeitig fressen. Nur gibt es Ziegen, die auf der gesamten Breite einer Raufe kein anderes Tier dulden. Egal wie breit die Raufe ist. Es werden höchstens die eigenen Kitze oder Freundinnen geduldet. Aber das auch nur je nach Tageslaune. Futterplätze, die über erhöhte Flächen in unterschiedlichen Höhen angebracht sind, können im Laufstall sehr gut funktionieren. Noch besser ist es, wenn zusätzlich rund um den Stall weitere Futterplätze angebracht werden. Am Besten so, dass sie auch bei Regen im Trockenen fressen können.
Wichtig sind zudem genügend Ausweichmöglichkeiten. Denn überall wo eine Ziege in eine Ecke gedrängt werden kann, passiert genau das. Und im schlimmsten Fall traut sich dann eine rangniedere Ziege dann nicht mehr in diese Ecke, an einen bestimmten Futterplatz oder durch einen bestimmten Durchgang, wenn sich eine ranghöhere Ziege in der Nähe befindet.
Letztendlich ist man eigentlich immer dabei, den Stall zu optimieren. Und immer wenn man etwas verändert hat, kommt man darauf, dass man dadurch wieder ein neues Problem geschaffen hat. Also geht es ans weiter optimieren ;-)
Futtertisch, Raufen, Heubälle und Heusäcke
Bei der Fütterung von Heu kann man entweder einen Futtertisch verwenden, bei dem die Ziegen mit dem Kopf nach unten fressen oder Raufen, die entweder an der Wand montiert oder auf ein Gatter gesteckt werden und bei denen die Ziegen mit dem Kopf nach oben fressen. Es gibt aber z.B. auch Hängeraufen oder Raufen, die im Raum aufgestellt werden können. Und was wir z.B. auch gerne in Verwendung haben, sind Heubälle mit mehreren runden Öffnungen und Heusäcke, die ich bei Bedarf z.B. einfach umhängen kann.
Der Nachteil eines Futtertischs ist, dass früher oder später ein Kitz rein springt und dort auch rein macht. Auch erwachsene Ziegen schaffen es immer wieder im Futtertisch ihre Köttel zu hinterlassen. Der Vorteil eines Futtertisch ist, dass die Blättchen aus dem Heu auf den Tisch fallen und dort gefressen werden können. Heu aus dem Futtertisch raus ziehen, das dann im Einstreu landet, werden die Ziegen allerdings trotzdem.
Der Vorteil einer Wand-, Aufsteck oder Hängeraufe ist ganz klar, dass die Ziegen dort nicht rein machen können. Zumindest dann wenn sie mit ihrem Hinterteil dort gar nicht hin kommen. Der Nachteil ist, dass die Blättchen auf den Boden bzw. ins Einstreu fallen. Das veranlasst zumindest meine Ziegen, dass sie dann geradezu danach im Einstreu wühlen. Und unter der Futterraufe vermehren sich im Sommer leider auch die ein oder anderen Insekten. Abhilfe kann man schaffen, in dem man z.B. kleine Tische unter die Raufen baut, auf die die Blättchen fallen können und die es den Ziegen erschweren im Einstreu zu wühlen. Allerdings steigen die Ziegen dann auf das Tischen, um oben aus der Raufe fressen zu können. Dabei wird relativ viel Heu wiederum raus gezogen, das dann ins Einstreu fällt. Das wird dann zwar auch gefressen, aber nur solange niemand seine Köttel darauf verteilt. Abhilfe schafft man dann mit einem Deckel auf der Raufe, was aber nur bei Ziegen funktioniert, die nicht mit Ihren Hörnern das Heu sehr geschickt raus ziehen :-)
Gute Erfahrungen machen wir momentan mit einer Kombination von Futterkörben, Heubällen, Heusäcken und Futtersparraufen. Bei den Heubällen sollte man darauf achten, dass die Öffnungen nicht zu klein sind. Gut funktionieren z.B. Öffnungen mit einem Durchmesser von 7-8cm.
Bei den Futterkörben sollte man es den Ziegen etwas erschweren, dass sie von oben raus fressen können. Ich hab da nämlich eine Spezialistin, die dann mit ihrer Technik den halben Korb auf einen Schlag ausräumt und dann liegt erstmal alles wieder am Boden. Inzwischen haben wir uns Deckel für die Futterkörbe anfertigen lassen und das Problem damit gelöst.
Bei den Futtersäcken ist es wichtig, welche auszuwählen, bei denen sich die Ziegen die Ohrmarken möglichst nicht ausreißen. Ganz ausschließen kann man das Risiko leider nicht. Ich würde deshalb z.B. keine Futternetze verwenden und hänge die Heusäcke eher tiefer auf. Ein anderer wichtiger Punkt ist ein Material auszuwählen, an dem sich die Ziegen den Nasenrücken nicht aufscheuern. Das passiert laut meiner bisherigen Erfahrung meistens bei runden Öffnungen. Dies bzgl. hab ich z.B. sehr schlechte Erfahrungen mit den Haybag von Kerbl gemacht.
Letztendlich muss man bei Ziegen mit einem gewissen Heuverlust rechnen, egal wie man das Heu zufüttert. Ich versuche nur zu vermeiden, dass sie aus der Einstreu fressen und bin deshalb ständig am optimieren, damit möglichst wenig Heu unten landet ;-)
Wassereimer, Salz Lecksteine, Salz Lecksteine mit Mineral und echte Mineral Lecksteine
Zu Beginn hatte ich im Laufstall immer einen Eimer Wasser in eine Ecke auf den Boden gestellt. Leider landeten da dann relativ oft Köttel im Eimer. Ein anderer Züchter hat mich dann auf die Idee gebracht, den Wassereimer möglichst hoch anzubringen. Am Besten so, dass die Ziegen hoch steigen müssen, um an das Wasser zu kommen, Und siehe da, das funktioniert wunderbar,
In den Boxen im Winter hat jede Ziege ihren eigenen Wassereimer, der je nach Größe der Ziege möglichst hoch auf das Gatter gehängt wird. Bei der Laufstallhaltung hängen wir zwei Wassereimer im Außenbereich in einem Gatter auf eine Höhe ein, bei der die Ziegen nicht rein kötteln können.
Als Lecksteine hab ich im Stall ganzjährig Salz Lecksteine pur, Salz Lecksteine mit Mineral und Mineral Lecksteine angebracht. Ebenso möglichst hoch, damit die Ziegen nicht drauf kötteln. Inzwischen verwende ich auch nur noch Lecksteine, die mit einem Lecksteinhalter verwendet werden können. Denn die Salz Lecksteine, die man z.B. mit einer Schnur anbinden kann, zerfallen manchmal recht früh in zwei Teile und können dann nicht mehr angebunden werden. Deshalb verwende ich diese Lecksteine nur noch im Winter, damit jede Ziege gut an einen Salz Leckstein und einen Salz Leckstein mit Mineral dran kommt..
Bei den Mineral Lecksteinen achte ich immer darauf, dass der Leckstein für Rinder geeignet ist und Kupfer enthält. Lecksteine für Schafe, die kein Kuper enthalten, setze ich nicht ein. Bei den Mineral Lecksteinen kann man sich leider nicht darauf verlassen, dass die Bezeichnung Mineral Leckstein korrekt ist. Denn ein Mineral Leckstein, der zu viel Salz (20% und mehr) enthält, ist kein Mineral Leckstein, sondern ein Salz Leckstein mit Mineral. Das schadet zwar nicht, aber die Ziegen können sich mit einem Salz Leckstein, der Mineral enthält, nicht ausreichend mit Mineral selbst versorgen. D.h. hier braucht man dann z.B. zusätzlich ein Mineralpulver, was wir bei trächtigen Ziegen sicherheitshalber immer einsetzen.
Folgende Lecksteine haben wir aktuell immer im Einsatz:
- Salz Leckstein: SOLSEL Natural
- Salz Leckstein mit Mineral: SOLSEL Extra
- Mineral Leckstein: Fulminant Leckdose 2kg Uni / Cu Parafit
Gefährliche Stellen für Ziegen-Kitze im Stall
Man ist leider oftmals überrascht, welche Stellen vor allem für Ziegen-Kitze im Stall gefährlich werden können. Vor allem wenn Ziegen-Kitze sehr klein mit einem Gewicht von gerade mal über 2kg zur Welt kommen. Diese kleinen Miniköpfe passen durch Öffnungen, die man ganz oft nicht im Blick hat.
In unserem Stall hatte sich durch das Anwachsen einer Mistmatratze im Winter ein Holzgatter leicht verschoben, so dass eine kleine Lücke an der Wand entstanden ist. Das Kitz kam an diese Öffnung nur im Stehen auf 2 Hinterbeinen dran. Und als es dann mit den Vorderfüßen auf den Boden zurück gegangen ist, steckte der Kopf in der Lücke fest. Das Kitz hatte keine Chance sich alleine zu befreien. Glücklicherweise war ich gerade da und konnte das Zwutschgerl schnell befreien.
In einem anderen Fall hatte ein Ziegen-Kitz den Kopf in einen Feststelldorn, der an einem Stall-Tor von außen befestigt ist, von unten rein gesteckt. Das ging, weil das Stall-Tor sich in einer Position befand, in der der Feststelldorn nicht den Boden berührte. Das Kitz kam mit dem Kopf in die Lücke von unten rein und als es den Kopf anhob, steckte es fest und konnte sich nicht mehr alleine befreien. Das Kitz fing dann an laut zu schreien, was wir gleich gehört hatten. Im ersten Moment waren wir selbst derartig aufgeregt, dass es eine Weile gedauert hatte, bis wir auf die Idee kamen, den Kopf einfach nach unten zu drücken, damit das Kitz wieder durch die Lücke durch kam. Im ersten Moment hatte in eine Flex im Kopf, um den Feststelldorn auseinander zu flexen ....
Wir können von Glück sprechen, dass wir bisher immer zu richtigen Zeit am richtigen Ort waren und immer alles gut gegangen ist. Diese Momente waren für uns zumindest sehr lehrreich was die Sicherheit für Kitze angeht.
Unsere Erfahrungen mit alternativen Einstreumaterialien
Begonnen haben wir die Ziegenhaltung wie die meisten mit ganz normalem Stroh. Im ersten Winter-Halbjahr haben wir jeden Tag 2x frisch eingestreut und das verschmutzte Stroh einfach drin gelassen. Als wir allerdings nach ca. 6 Monaten ausgemistet haben, war die Mistmatratze ziemlich hoch und ich persönlich fand das alles eher eine Zumutung. Der Intervall bzgl. Ausmisten wurde dann immer kürzer bis zu einer Extremform in den Sommermonaten, bei der ich jeden Tag 2x ausgemistet hab.
Wir haben in den letzten Jahren mit unterschiedlichen Einstreumaterialien, vor allem im Winter, experimentiert.
Das erste Experiment war Strohmehl aus Leinenstroh. Denn umso klein gehäckselter das Stroh ist, desto saugfähiger ist es. Auch haben unterschiedliche Stroharten eine unterschiedliche Saugfähigkeit. Also war die Hoffnung groß, dass zumindest der Urin besser aufgesaugt wird. Grundsätzlich hat das auch zugetroffen, allerdings blieb das Strohmehl immer an den Tieren kleben. Ich bin dann dazu übergegangen Strohmehl als unterste "saugende" Schicht zu verwenden und darüber das normale Stroh einzustreuen. Für mich hatte es den Zustand ein klein wenig verbessert, aber zufrieden war ich damit nicht.
Das zweite Experiment war Miscanthus Einstreu als unterste "saugende" Schicht im Winterhalbjahr, bei der ich normales Stroh dann drüber gestreut hab. Miscanthus ist um ein vielfaches saugfähiger als Stroh und Strohmehl. Letzten Winter blieb diese unterste Schicht 4 Monate im Stall. Die Strohschicht darüber wurde 2x täglich ausgemistet. Das war sehr viel Arbeit, aber die Hygiene war in den ersten 3 Monaten zumindest um einiges besser als bei 100% normalem Stroh oder Strohmehl. Bei Miscanthus kommt noch hinzu, dass die Fliegen das nicht besonders mögen und viel weniger Larven im Stall ablegen. Allerdings würde ich das für maximal 3 Monate empfehlen. Der 4. Monat war schon eher wieder eine Zumutung.
Das dritte Experiment ist Anfang Juni 2025 angelaufen. Und zwar haben wir die Einstreu auf Naturboden umgestellt. Dafür haben wir eine 25 cm dicke Schicht an Feinmulch aus der Kompostieranlage verwendet. Zusätzlich verwenden wir bei Bedarf noch Diabas Urgesteinsmehl und Effektive Mikroorganismen. Das Ziel dieser Einstreu ist, dass der Urin direkt abgebaut und der Kot kompostiert wird. Dazu muss die Schicht regelmäßig so bearbeitet werden, dass genügend Sauerstoff und vor allem im Sommer genug Feuchtigkeit eingebracht wird.
Wir haben den Feinmulch inzwischen über ein Jahr drin und haben dabei viel gelernt. Wichtig ist, dass man in der Zeit, in der in der Kompostieranlage möglichst trockener Feinmulch verfügbar ist, sich einen Vorrat für den Herbst und Winter anlegt. Uns hatte man nämlich gesagt, dass sie den Feinmulch ganzjährig verfügbar haben, was so leider nicht gestimmt hat. Sie haben zwar immer Feinmulch, aber der ist im Herbst und Winter viel zu feucht. Gerade dann, wenn man die zusätzliche Feuchtigkeit im Stall leider nicht gebrauchen kann. Denn in dieser Zeit sind die Ziegen mehr im Stall und da produzieren sie genug Feuchtigkeit in der Einstreu.
Wir hatten uns als Alternative dann den viel teureren Bio Waldboden im Winter liefern lassen. Wenn man die Möglichkeit hat, den Waldboden selbst abzuholen, ist es noch leistbar, aber mit Lieferung kann ich das nur als Ausnahme, wenn man einfach nichts anderes hat, empfehlen. Und was noch dazu kommt, ist das ich im Winter keinen Waldboden empfehlen kann, der mit Kompostanteilen gemischt ist. Im Sommer ist das super, aber im Winter würde ich einen Waldboden ohne Kompost auswählen, der eher trockener ist.
Eine weitere Alternative, auf die wir gekommen sind, ist der ausgesiebte Anteil von Hackschnitzeln. Der Nachteil dieser Alternative ist leider ein sehr hoher Staubanteil. Wenn man das aber z.B. mit Rindenmulch mischt, der eine höhere Feuchtigkeit hat, kann man den Staubanteil damit reduzieren. Allerdings würde ich höchstens 1/3 Rindenmulch mit drunter mischen.
Was man ebenfalls untermischen kann, ist Sägemehl, wenn man z.B. selbst Brennholz produziert. Man sollte das aber nur untermischen und nicht zu viel davon verwenden, damit es durch die Feuchtigkeit nicht zusammen klumpt.
Und jetzt leider ein Risiko, das bei Feinmulch aus der Kompostieranlage leider vorhanden ist. Wir wollten dieses Frühjahr Feinmulch abholen und haben dabei leider festgestellt, dass sogar noch Grünanteile von Eibe und Thuja enthalten waren und das ausgerechnet jetzt, wo wir Ziegennachwuchs haben. Das Risiko, dass Ziegenkitze das fressen und sich dabei vergiften, war uns persönlich zu hoch, weshalb wir dann die Finger davon gelassen haben.
D.h. bevor man die Einstreu umstellt, sollte man sich Strategien überlegen, wenn das gewünschte Material nicht verfügbar oder einfach nicht verwendbar ist. Man benötigt fast immer eine Alternative, auf die man zurückgreifen kann.
Bzgl. abmisten bei Ziegen bin ich ziemlich hin- und hergerissen. Wenn es größere Köttelhaufen sind, kann man die gut raus nehmen. Die feuchten Stellen in den obersten 10 Zentimetern der Einstreu stech ich im Herbst und Winter regelmäßig aus. Dabei nehm ich aber nur die zusammengeklumpten Stellen raus. Alles was durch die Pferdegabel durch fällt, bleibt drin und wird mit möglichst trockenem Material vermischt.
Was eher ein kompliziertes und aufwändiges Thema ist, ist das herunter gefallene Heu in der Naturboden Einstreu. Große Heumatten lassen sich mit der Pferdegabel sehr gut und schnell entfernen. Jetzt ist nur die Frage, wie gründlich man den Rest entfernt. Das allerbeste ist, wenn man die Fressplätze von der Einstreu komplett trennt, so dass kein Heu in der Einstreu landet. Diese Möglichkeit hab ich allerdings nur dann, wenn ich alle Fressplätze nach draußen verlagern kann, was im Winter leider nicht möglich ist. Zumindest will ich das den trächtigen Tieren bei den kalten Temperaturen nicht antun. Mich meckern sie immer an, wenn sie in der Kälte raus sollen. Am schnellsten würde es vermutlich gehen, wenn man genug Nachstreu hat und einfach die obersten 2 bis 3 cm regelmäßig zusammenrecht und inkl. des Restheus und der Köttel komplett raus nimmt. Dann kann man einfach die oberste Schicht ersetzten.
Im Allgemeinen kann ich die Naturboden-Einstreu für einen Offenstall von Frühjahr bis Herbst empfehlen. Für mich persönlich ist das in dieser Zeit eine Verbesserung zu allem, was ich davor ausprobiert hab. Man muss sich allerdings an das Ganze etwas herantasten und experimentieren.
Die Tiere zeigen einem übrigens an, wenn sie die Einstreu nicht mehr gut genug finden und ein teilweiser Austausch erfolgen sollte. Im Offenstall legen sie sich selbst bei schlechtesten Wetter dann nämlich nicht mehr in die Einstreu und schlafen lieber draußen auf dem eiskalten Boden :-)
Und noch eine Erfahrung, die ich im Winter mit der Einstreu gemacht habe. Wenn die Oberfläche der Einstreu nicht trocken genug ist, dann ist die Einstreu kalt. Das ist im Winter noch ein Punkt, der vor allem bei kleinen Kitzen wichtig ist. Es sollte immer so viel nachgestreut werden, dass die Oberfläche bei niedrigen Temperaturen trocken und somit nicht kalt ist. Oder der Kompostiervorgang so gut funktioniert, dass Wärme entsteht.
Was ich leider nicht emfehlen kann, ist die Einstreu in der Kombination mit der Geburt von Ziegen-Kitzen. Dafür ist und bleibt es das Beste, wenn man die Möglichkeit hat, für die Mutter kurz vor der Geburt eine Box komplett neu mit Stroh, MIscanthus oder etwas ähnlichem einzustreuen. Ich hab das letzten Winter mit der Naturbodeneinstreu ausprobiert. Glücklicherweise war ich bei jeder Geburt dabei, so dass ich vermeiden konnte, dass die Mutter den Dreck, der dann beim neugeborenen Kitz im Fell kleben bleibt, abschlecken musste. Ich hatte es in diesem Moment bereut, diese Einstreu im Stall zu haben :-)
Das nächste Experiment wird zweigeteilt sein. Auf der einen Seite des Stalls Naturboden Einstreu gemischt mit Miscanthus und auf der anderen Seite eine reine Miscanthus Einstreu.
Ziegenweide:
Wie groß eine Weide für unsere 7 Ziegen sein sollte
Prinzipiell richtet sich die Größe nach dem Parasiten- bzw. Weidemanagement, das man anwendet. Da wir den Ziegen von Frühjahr bis Herbst eine Weide anbieten möchten und gleichzeitig die Parasiten in Schach halten wollen, benötigen wir für unsere 7 Ziegen mindestens 1 Hektar Weide auf der wir den Ziegen alle 5-14 Tage ein neues Stück abstecken und das bereits beweidete Stück 12 Wochen pausieren und zwischendurch abmähen. Die Weide wird dabei so groß abgesteckt, dass die Ziegen das Gras nicht ganz runter fressen. So können wir die Aufnahme von Parasiten etwas reduzieren. Aktuell nutzen wir in Summe rund 1,5 Hektar.
Im Frühjahr lassen wir die Ziegen erst auf die Weide, wenn das Gras möglichst trocken ist und füttern am Vormittag und in der Nacht Heu zu. Im Sommer sind die Ziegen für 1-2 Monate Tag und Nacht auf einer Weide, auf der sie an sehr nassen Tagen zusätzlich Heu bekommen.
Artgerechter wäre es, wenn die Ziegen jederzeit Zugang zu einer Weide mit genügend Gehölzen hätten, die sie verwerten dürfen. Damit eine Standweide aber ohne ständiges entwurmen funktioniert, muss sie sehr groß sein. Da ich dies bzgl. keine Erfahrungen hab, kann ich leider nichts zur Mindestgröße sagen. Ich denke, dass 1 Hektar dafür nicht ausreichen würde. Das kommt aber auch auf den Bewuchs an. Solange die Ziegen eher oben statt unten am Boden fressen, holen sie sich auch viel weniger Parasiten.
Unsere Erfahrungen mit Elektrozäunen
Da ich etwas Sorge hab, dass unsere gehörnten Ziegen in einem Netz hängen bleiben und wir sie nicht rechtzeitig befreien können, verwenden wir ausschließlich Litzenzäune.
Wenn man bzgl. ziegensicheren Zaun recherchiert, findet man oft die Empfehlung, dass der Zaun 5 Litzen, eine Mindesthöhe von 1,05 Meter und genügend Schlagkraft haben sollte. Es ist z.B. von einer empfohlenen Hüte Spannung von mindestens 4.000 Volt an allen Stellen die Rede.
Laut meiner Erfahrung hängt es hauptsächlich davon ab, was es im eingezäunten Bereich zu fressen gibt, ob die Ziegen ausbrechen oder nicht. Zumindest dann wenn die Ziegen schon ein paar Mal Kontakt mit dem Strom hatten und den Zaun respektieren. Für die Gewöhnung an den Zaun, verwenden wir ca. 9.000 Volt Spannung mit 2,2 Joule Entladungsenergie auf dem Zaun. Das fetzt ziemlich, wenn man da dran kommt.
Wenn die Ziegen im eingezäunten Bereich nichts mehr zu fressen haben, kann es trotz Respekt vor dem Zaun zu einem Ausbruch kommen. Denn bevor eine Ziege verhungert, nimmt sie den Schmerz lieber auf sich. Genauso natürlich, wenn ein fremdes Tier eindringt, das für die Ziegen eine Gefahr darstellt. Zu dieser Gefahr können aus Sicht einer Ziege übrigens auch Bremsen oder übermäßige Hitze gehören. Ich hatte schon 2 Mal den Fall, dass meine Ziegen auf Grund von Bremsen oder weil es trotz Unterstand einfach zu heiß war, ausgebrochen sind und in ihren Auslauf zurück gerannt sind. Dort haben sie sich dann im Stall verkrochen.
Wenn man Ziegen-Kitze an den Zaun gewöhnen möchte, gibt man sie die ersten Tage am Besten nur stundenweise auf die Weide und bleibt dabei. Wenn die Kitze die ersten Male einen Stromschlag abbekommen, springen sie meistens nicht zurück, sondern nach vorn und somit raus. Sie springen trotz Stromschlag dann oftmals wieder rein, damit sie wieder zu ihrer Mutter zurück kommen. Aber wenn der Schmerz zu groß war, laufen sie um den Zaun rum, um einen Weg zu finden, wieder rein zu kommen. Mit der Gewöhnung bei den Kitzen warte ich, bis sie ein Alter von mindestens 3 Wochen haben. Man kann damit aber auch schon früher beginnen. Je nachdem wir fit die Tiere sind.
Wir hatten auch schon mal den Fall, dass ein Kitz mit den Hörnern an der Litze hängen geblieben ist. Wenn das passiert, schalten wir den Zaun schnellstmöglich aus, damit wir das Kitz befreien können. Sobald das Kitz wieder drin ist, ist es wichtig den Strom wieder einzuschalten. Ein Elektrozaun sollte nie ohne Strom verwendet werden.
Es kann auch passieren, dass ein Kitz vom Zaun so viel Angst bekommt, dass es sich nicht mehr auf die Weide traut. Ich trag das Kitz dann mitten auf die Weide und bleib etwas dabei. Denn wenn es das leckere Grün kostet oder mit den anderen Kitzen spielen kann, ist der Schmerz recht schnell wieder vergessen.
Nach ca. 3 Tagen haben die Kitze sich an den Elektrozaun gewöhnt und man kann sie ohne Aufsicht auf der Weide lassen. Es passiert dann zwar hin und wieder, dass ein Kitz mal wieder raus springt, aber das Kitz macht sich meistens recht laut bemerkbar oder springt einfach wieder rein.
Das schöne an meinen Tauernschecken ist, dass selbst wenn sie mal ausbrechen, nicht weg laufen. Solange sie gut versorgt werden und keine Gefahr von außen besteht, bleiben sie immer in der Nähe ihres Stalls. Von anderen Ziegenrassen hab ich schon gehört, dass es da etwas schwieriger ist und man die Tiere dann suchen gehen darf. Da bin ich ehrlich gesagt froh, dass ich so standorttreue Tiere hab, die sich hier anscheinend wohl fühlen ;-)
Als mobilen Litzenzaun kann ich den Smart Fence V2 von Gallagher empfehlen. Man spart sich damit sehr viel Zeit beim Auf- und Abbau im Vergleich zu einzelnen Haspeln. Die 10 Pfähle sind für rund 600qm Weidefläche zwar meiner Meinung nach zu wenig, aber man kann einfach zusätzliche Pfähle dazwischen stecken und die z.B. wenn sie höher sind, auch für ein zusätzliches blaues Band verwenden. Für eine zusätzliche Stabilität verwenden wir Eckpfähle aus Metall.
Elektrozaungeräte sind bei uns aktuell 3 verschiedene im Einsatz.
- Das Helos 4 von VOSS.farming mit einer Spannung von 9.600 Volt und einer Entladungsenergie von 2,2 Joule. Dieses Gerät wird mit einer Batterie auf der Weide in Hausnähe eingesetzt.
- Das zweite Gerät, das Delta 5 von VOSS.farming, ist dauerhaft mit dem Hausstrom verbunden und hat zwei verschiedene Stromstärken, die man verwenden kann. 11.300 Volt mit 2,9 Joule Entladungsenergie und einen zweiten Anschluss mit 1/3 weniger Leistung. Der zweite Anschluss reicht für Ziegen selbst in der Gewöhnungsphase normalerweise aus.
- Das dritte Gerät Duo Power X 6000 smart von AKO setzen wir auf Weiden ein, die nicht in Hausnähe sind und auf denen die Ziegen auch die Nacht verbringen. Für die Stromversorgung setzen wir eine wartungsfreie Batterie ein, die über ein Solarmodul aufgeladen wird. Über eine App kann man das Weidezaungerät über das Handy an- und ausschalten, Einstellungen vornehmen, den Batteriestand prüfen und jederzeit sehen wieviel Spannung auf dem Zaun ist. Man kann auch kontrollieren ob es einen plötzlichen starken Spannungsabfall gab. Das passiert z.B. wenn eine Litze auf den Boden fällt oder von einem Tier z.B. auf den Boden gedrückt wird. Wenn die Spannung nur kurz nach unten fällt, kann es z.B. ein Tier gewesen sein, dass eine Litze berührt hat. Über die App kann man auch gut beurteilen ob man den Bewuchs unter dem Zaun mal wieder mähen sollte, denn wenn es stark geregnet hat oder die Bodenfeuchte sehr hoch ist, kann man kontrollieren wie hoch die Spannung in solchen Fällen noch ist. Wenn sie unter 4.000 Volt fällt, sollte man den Zaunbewuchs entsprechend kürzen.
Allerdings bin ich mit der App leider nichts besonders zufrieden. Denn obwohl eine Mobilfunk Verbindung aktiv ist, funktioniert die App dann leider oftmals nicht. Dann muss man das Gerät über einen Schalter an- und ausschalten. Zur Sicherheit haben wir z.B. auch immer ein Zaunmessgerät dabei gehabt, denn die App hat oftmals eine Fehlermeldung angezeigt, wodurch wir nicht wussten ob das Gerät jetzt an oder aus ist. Ganz typisch ist leider die Fehlermeldung, dass eine Verbindung zum Server nicht hergestellt werden kann. Wenn man einen Support kontaktieren möchte, ist man leider ganz verloren. Ich hatte es über verschiedene Kanäle probiert, Kerbl zu kontaktieren. Leider hab ich weder über E-Mail noch über Social Media eine Rückmeldung bekommen. Telefonisch hab ich es nicht versucht. Grundsätzlich ist der Einsatz einer App, über die man aus der Ferne den Zaun überwachen kann, sehr gut. Ich würde mir nur wünschen, dass es für den Preis auch funktioniert.
Was wir regelmäßig auf der Weide kontrollieren und möglichst entfernen
Grundsätzlich versuchen wir auf und in der nahen Umgebung der Weide alles zu entfernen, was für Ziegen giftig ist. Die Ziegen haben zwar einen sehr guten Instinkt und lassen die giftigen Pflanzen normalerweise stehen. Aber dabei kommt es auch auf die Erfahrung der Ziege und die Futterauswahl an.
Auf folgenden Seiten findet Ihr Pflanzen, die für Ziegen giftig sind.
- botanikus.de - Giftige Pflanzen für Ziegen
- weiss-die-geiss.de - Giftpflanzen auf der Weide
- giftpflanzen.ch - Toxikologie/Giftpflanzen
- bioaustria.at - Schaf- und Ziegen-Wiki von BIO AUSTRIA
Folgende Pflanzen haben wir auf unserem Grundstück z.B. komplett entfernt:
- Kirschlorbeer
- Rhododendron
- Faulbaum
- Eschenahorn
- Pfaffenhütchen
Folgende Pflanzen entfernen wir auf und in der Nähe der Weide regelmäßig:
- Akelei
- Schachtelhalm
- Schwertlilien
- Wolfsmilch
Ansonsten versuchen wir das Moos ebenfalls zu entfernen. Denn da tummelt sich gerne die Moosmilbe, die bei vorhandenen Bandwürmern dafür sorgt, dass man die nur schwer wieder los wird.
Hier ein Beispiel, wie gut der Instinkt der Ziegen in der Regel ist:
Wir dachten, dass wir den Ziegen etwas Gutes tun als wir einen Ahornbaum fällen mussten und den Ziegen die Zweige zum fressen geben wollten. In der ersten Minute gingen die Ziegen alle an die Zweige dran, hörten dann abrupt auf zu fressen und schrien uns regelrecht an. Wir wussten überhaupt nicht was los war, haben dann eine Pflanzen-Erkennungs-App auf dem Handy zu Rate gezogen, von der die Zweige dann als Eschenahorn erkannt wurden. Nach einer weiteren Recherche haben wir dann herausgefunden, dass Eschenahorn für Ziegen giftig ist, weshalb wir die Zweige dann ganz schnell wieder aus dem Ziegen-Auslauf geholt haben. Seitdem sind wir sehr vorsichtig geworden und ziehen mehrere Pflanzen-Erkennungs-Apps zu Rate, wenn wir uns nicht ganz sicher sind, was es ist.
Leider gibt es immer wieder die Fälle, bei denen es Leute mit Ziegen gut meinen (glücklicherweise nicht mit unseren) und ihren Astschnitt über den Zaun werfen. Aus Unkenntnis landen dann auch mal Zweige von Thuja und Eibe bei den Ziegen, die leider immer wieder zum Tod führen.
Deshalb bringe ich an der Weide immer mindestens ein Schild an, auf dem ich versuche zu erklären, warum es wichtig ist, die Ziegen nicht zu füttern. Leider reicht ein Schild mit "füttern verboten" dafür meistens nicht aus.
Wie wir Heu im Kleinformat selbst machen
Uns ist es sehr wichtig, dass auf den Flächen rund um den Ziegenstall möglichst viel Gutes für Insekten als auch unsere Ziegen wächst. Z.B. Pflanzen, die unsere Ziegen im Umgang mit Würmern unterstützen und gleichzeitig eine gute Nahrungsquelle für Insekten sind. So wächst bei uns z.B. Hornklee, wilde Möhre, Schafgarbe, Spitzwegerich, Wegwarte und vieles mehr.
Da wir die Ziegen durch unser Weide Management nur recht kurz auf eine Fläche lassen, kann bei uns keine Überweidung stattfinden. Nachdem die Ziegen 5-14 Tage auf der Fläche waren, machen wir dann entweder einen Hygieneschnitt, der manchmal nur entfernt und kompostiert wird oder wir lassen den Bewuchs so lange wieder wachsen, bis wir daraus Heu machen können. Selbst bei einem Hygieneschnitt wachsen die Pflanzen dann aber so schnell nach, dass wir bei einer 12wöchigen Weidepause immer zwischendurch Heu machen. Durch die kurze Beweidung blüht es dann auch wieder recht schnell. So haben dann auch viele Insekten etwas davon.
Die Flächen um den Ziegenstall werden bei uns mit einem Balkenmäher abgemäht. Das schont die Insekten und ist ideal für Heu, das hinterher noch viele Blättchen enthalten soll. Denn das lieben die Ziegen am meisten. Abgerecht wird das Mähgut von Hand und dann auf unserem Parkplatz auf Planen getrocknet. Wenn wir sehr viel abmähen, setzen wir zusätzlich für die erste Trocknung traditionelle Heumandln ein.
Die Trocknung auf Planen hat den Vorteil, dass wir bei Regen das Heu auf den Planen in unsere Garage ziehen können. Wenn die Sonne wieder raus kommt, ziehen wir das Heu dann raus in die Sonne. Mit dieser Methode sind wir etwas flexibler als die Heubauern in unserer Umgebung. Die benötigen für gutes Heu mindestens 3-5 Tage durchgängig gutes Wetter, was im Jahr 2024 z.B. ein echtes Problem war.
Sobald das Heu trocken ist, wird es dann in eine Plastikkiste in der Größe von ca. 65 Liter geschichtet, in der zu Beginn Sisalschnüre so positioniert werden, dass man mit ihnen die Heuballen zubinden kann, wenn die Kiste voll ist. Damit das Heu im Ballen nicht zu lose ist, steigt mein Mann zwischendurch immer wieder in die Kiste, um das Heu zusammen zu pressen. Zur Sicherheit messen wir dann bei einem fertigen Heuballen mit einem Messgerät den Feuchtegehalt. Der Ballen wird nur eingelagert, wenn er einen maximalen Feuchtegehalt von 20% hat. Maximal 20% entspricht der Empfehlung für loses Heu. 15% gilt für gepresstes Heu. Da unsere Ballen sehr klein und nur leicht gepresst sind, richten wir uns nach dem Wert für loses Heu. Wenn der Feuchtegehalt zu hoch ist, wird der Heuballen zur besseren Trocknung nochmals geöffnet und aufgelockert. Denn wenn das Heu zu feucht eingelagert wird, kann es verderben.
Während der Lagerung, die bei uns ca. 6 Monate beträgt, wird regelmäßig die Temperatur überwacht. Die maximale Temperatur sollte bei ca. 40 Grad liegen. Ab 70 Grad muss sofort die Feuerwehr gerufen werden, da das Heu kurz vor der Selbstentzündung steht.
Das Heu so herzustellen ist mit sehr viel Aufwand verbunden. Wir machen deshalb nur dann Heu, wenn der Bewuchs eine entsprechende Qualität hat, so dass es als Heu einen echten Mehrwert bietet. Wenn die Qualität zu gering ist weil es z.B. zu alt und von unten schon braun ist, betreiben wir den Aufwand dafür inzwischen nicht mehr. Dann kommt das Mähgut entweder auf unseren eigenen Kompost oder zu einer Kompostanlage. Wenn wir den Aufwand betreiben, werden wir von unseren Ziegen immer dann belohnt, wenn wir sehen, wie sehr sie das handgemachte Heu lieben. Denn das bekommt keine Maschine in dieser Qualität hin.
Ziegen-Fütterung:
Wie wir den Start in die Weide Saison organisieren
Im Sommerhalbjahr betreiben wir das Prinzip einer Koppelweide, bei der wir den Ziegen jede Woche eine neues Stück Weide anbieten. Wir haben keine Standweide auf der die Ziegen ganzjährig, so weit vorhanden, frisches Grün futtern können. Im Winterhalbjahr bekommen unsere Ziegen, wenn sie nicht trächtig sind, nur Heu, Saftfutter und Äste von Nadelbäumen.
Das bedeutet dass der Start der Weidesaison für die Ziegen immer eine signifikante Futterumstellung ist. Damit die Pansen-Bakterien nicht überfordert werden, gewöhnen wir die Ziegen innerhalb von 14 Tagen eher langsam an das Grünfutter. In der ersten Woche dürfen die Ziegen maximal 1 Stunde täglich auf die Weide. In der zweiten Woche wird die Zeit dann auf ca. 2 Stunden täglich gesteigert. Ab der 3. Woche dürfen Sie dann den ganzen Nachmittag auf die Weide. Allerdings machen die Ziegen das von sich aus erst am späten Nachmittag.
In der ersten Woche bekommen die Ziegen nach dem Weidegang dann Bierhefe und Natron, um den PH-Wert im Pansen zu stabilisieren. Außerdem achten wir in den ersten Wochen darauf, dass die Ziegen genügend Heu fressen und somit Rohfaser aufnehmen. Es kommt z.B. vor, dass sie nicht jedes Heu aufnehmen. Heu, das nicht gefressen wird, räumen wir gerade in den ersten Wochen der Weidezeit konsequent weg, damit das Heu attraktiv genug bleibt.
Nach ca. 6 Wochen wechseln wir dann von unseren Weiden, die sich rund um unser Haus befinden, auf eine Nachbarwiese, auf der sich der Bewuchs zu unserem unterscheidet. Dort finden die Ziegen z.B. mehr Weißklee vor. Sobald die Ziegen die Nachbarwiese beweiden, bekommen Sie wieder Bierhefe und Natron und so viel gutes Heu wie möglich. Denn selbst der Wechsel auf die Nachbarwiese bedeutet auf Grund des Bewuchses wieder eine Futterumstellung, auf die manche Ziegen dann mit sehr weichen Kotbatzen reagieren.
Mineralstoffe und Spurenelemente
Als ich mit der Ziegenhaltung begonnen hab, war ich mit der Menge von Mineral sehr vorsichtig und unsicher. Das Problem ist nämlich, dass man von Beratern, Experten, Tierhaltern und Tierärzten ganz verschiedene Aussagen dazu bekommt. Die reichen leider von einem Extrem zum anderen. Also von "ad libitum" bis zu "Lecksteine reichen aus".
Durch meine Vorsicht hatte ich im ersten Winter gleich Mangelerscheinungen wie z.B. die typische Brillenbildung um die Augen, die durch einen Zink oder Kupfermangel ausgelöst wird. Und die Kitze hatten in den ersten Wochen etwas brüchige Hörner, was ich ebenfalls auf einen Mangel zurück führe.
Glücklicherweise bin ich dann immer mutiger geworden und hab einfach einmal jährlich mit einer Blutuntersuchung 1-2 Stichproben mit dem Tierarzt gemacht. Und ja man kann damit zwar nicht alle Mineralstoffe und Spurenelemente untersuchen lassen, aber bei Selen geht das z.B. sehr gut. Bei einigen ist es eine reine Momentaufnahme und Kupfer leider gar nicht aussagekräftig. Trotz allem kann man mit der Blutuntersuchung zumindest eine Tendenz sehen ob man es unter- oder übertreibt.
Im Winter funktioniert es mit dem Mineralpulver Ursonne Ziegen B von Dr. Schaette sehr gut. Davon bekommen die Ziegen 20-40g täglich über das Futter. Während der Trächtigkeit eher mehr als weniger, aber maximal 40g täglich. Die enthaltenen Kräuter finde ich gerade in der Winterzeit genial für die Ziegen.
Im Stall haben die Ziegen verschiedene Lecksteine von purem Salz, Salz mit Mineral und Spurenelementen und "echten" Mineral- und Spurenelement Lecksteinen. Allerdings mache ich leider die Erfahrung, dass das für die Versorgung in den Sommermonaten nicht ausreicht. Zumindest nicht, wenn die Ziegen nicht ständig Zugang zu Gehölzen haben, die sie abfressen und abschälen dürfen. Deshalb gebe ich den Ziegen im Sommer immer mal wieder das Mineralpulver Ziegenmineral Natur von Fulminant zum aufschlecken. Davon dürfen sie dann von maximal 40g so viel schlecken wie sie wollen. Ich finde das Mineral von Fulminant für den Sommer deshalb gut weil es Naturzeolith enthält, das den pH-Wert im Pansen puffert.
Allerdings hatte ich bei der ein oder anderen Ziegen trotz allem in den Sommermonaten Mangelerscheinungen, bei denen man zuerst an Parasiten denkt. Da die Kotuntersuchung aber keine hohe Wurmlast ergab, hab ich dann den Schaf & Lamm Booster mit Kupfer ausprobiert und siehe da, innerhalb von wenigen Tagen hatte das der betreffenden Ziege geholfen. Das Fell, das zuvor struppig war, ist dann nach kurzer Zeit wieder richtig schön geworden. Wichtig bei dem Booster ist allerdings, dass die Ziegen in den 21 Tagen danach kein zusätzliches Mineral bekommen. Lecksteine ja, aber kein konzentriertes Mineral in Form von Pulver. Denn sonst riskiert man eine Überversorgung. Das Gute an dem Booster ist, dass neben vielen Vitaminen nur die wichtigsten Mineral - und Spurenelemente wie Selen, Kupfer, Zink, Jod und Kobalt drin sind. Was z.B. nicht drin ist, ist Phosphor und Calcium. Somit kann man auch kastrierten Böcken den Booster verabreichen ohne ein Risiko bzgl. Harnsteinbildung einzugehen. Eine gute Kupferversorgung hilft den Ziegen mit Magen-Darm Würmern besser klar zu kommen und die Eiausscheidung zu reduzieren.
Spezialthema Selen
Da die Böden in unseren Breitengraden zu wenig Selen her geben, brauchen die Ziegen über das Mineral und/oder separate Kuren extra Selen. Und das besonders im Winter und während der Trächtigkeit.
Eine Fachtierärztin für kleine Wiederkäuer von der LMU in München meinte zum Thema Selen, dass sie noch nie eine Selen-Vergiftung diagnostizieren konnte, aber dafür umso häufiger einen Selenmangel.
Wie der aktuelle Selenstatus bei einem Tier ist, kann sehr gut über eine Blutuntersuchung festgestellt werden. Hier ist vor allen der Langzeitwert aussagekräftig.
Um sicher zu gehen, dass man dem Tier nicht zu viel Selen verabreicht, hilft folgender Artikel des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie in Zürich "Selen und Selenverbindungen - Wiederkäuer".
Daraus geht hervor, dass es zu einer Vergiftung bei einer täglichen Aufnahme von 0.25 mg Selen/kg Körpergewicht kommen kann. Das sind bei einem Gewicht von 50kg 12,5mg Selen täglich. Und z.B. bei einem Geburtsgewicht von 2kg, was äußerst gering ist, 0,5mg Selen.
Ich setze z.B. folgende Zusatz-Mittel ein, in denen Selen enthalten ist:
- Mineralpulver (Fulminant Ziegenmineral Natur) - davon bekommen die Tiere je nach Gewicht maximal 40mg pro Tag. Das entspricht ca. 1,6mg Selen täglich über das Mineralpulver.
- Mineral Lecksteine und Salz Lecksteine mit Mineral - da schlecken die Tiere hin und wieder dran. D.h. hier ist schwer zu sagen, wieviel Selen die Tiere dadurch zusätzlich aufnehmen. Die Lecksteine sind bei uns allerdings nur als Zusatz zur Selbstversorgung gedacht.
- Chevivit® E-Selen K - davon bekommt von mir ein Kitz am Tag der Geburt 1-2ml. Das sind maximal 0,1mg Selen.
Ich kann verstehen, wenn man sich als Anfänger nicht traut und die Befürchtung hat die Tiere zu vergiften. Aber wie bei allem gilt auch hier, dass ein "zu wenig" genauso problematisch sein kann, wie ein "zu viel". Und um ein Tier mit Selen zu vergiften, muss man schon sehr viel Selen verabreichen.
Fütterungsbedingter Durchfall und was bei uns am schnellsten hilft
Bei Futterumstellungen, wie z.B. der erste Weidegang im Frühjahr oder der Wechsel auf eine sehr eiweißreiche Weide, kann das recht schnell zu einer veränderten Kotkonsistenz führen. Das reicht von weichen Kotbatzen bis zu Durchfall. Und zwar vor allem dann, wenn die Ziegen nicht genug Rohfaser über das Heu aufnehmen,
Das was bei fütterungsbedingtem Durchfall bei meinen Ziegen am schnellsten hilft, ist Stullmisan, wenn man die empfohlene Tagesdosis mit Wasser verdünnt mit einer Spritze über das Maul eingibt.
Wenn der Kot nur weich, aber es noch kein Durchfall ist, hilft bei meinen Ziegen auch Eichenrinden Tee. Dabei wírd Eichenrinde 10-15 Minuten siedend abgekocht. Ich lass den Tee dann etwas abkühlen und probier ob die betreffende Ziege ihn aus der Schüssel trinkt. Normalerweise mögen sie das recht gerne. Im Sommer stell ich aber auch immer mal wieder einen Eimer kalten Eichenrinden Tee in den Auslauf und der wird von allen sehr gerne getrunken.
Was wir tun, wenn eine Ziege kein Heu mehr verträgt
Leni ist unsere Chefin in der Herde und wurde im Januar 2025 10 Jahre alt. Sie hat vor ca. 4 Jahren damit begonnen, das Heu nur noch anzukauen und büschelweise fallen zu lassen. Das Heu, das sie gefressen hat, hatte sie beim Wiederkäuen dann ausgespuckt. Trotz Zufütterung von gequetschtem Hafer, Kräutern, Saftfutter und anderen Futtermitteln hatte ich es eine Zeit lang nicht geschafft auch nur die kleinste Fettschicht bei ihr aufzubauen.
Da die Tierärzte den Verdacht hatten, dass es am Gebiss liegt, wurde sie im Herbst 2021 in der Klinik unter Narkose entsprechend untersucht. Die Tierärzte konnten die Ursache aber leider nicht feststellen.
Im Winter 2021 wurde es dann so schlimm, dass sie begonnen hatte zu sabbern, wodurch sich unter dem Kinn dann haarlose Stellen gebildet hatten. Ihr Maul war immer ganz grün und ihr Blick eher träge. Man hatte Ihr angemerkt, dass alles nur noch anstrengend war und dazu war sie auch noch trächtig, wodurch ich ein ziemlich schlechtes Gewissen hatte, das nicht verhindert zu haben. Ich dachte damals, dass mir nichts anderes übrig bleiben wird, als sie vom Leid zu erlösen. Wir hatten sehr viel mit den unterschiedlichsten Futtermitteln, Tee und vielem mehr probiert. Das ein oder andere hatte sie zumindest soweit unterstützt, dass es nicht schlimmer wurde und sie gesunde Kitze zur Welt brachte. Vor allem die tägliche Gabe von Kamillentee und Jecuplex hatte ihr im Winter 2021/22 zumindest etwas Linderung verschafft.
Irgendwann bin ich dann auf die Idee gekommen, dass es vielleicht daran liegen könnte, dass sie sich schlichtweg mit Heu überfrisst und ihr es davon geradezu schlecht wird. Ob es so ist, wissen wir zwar immer noch nicht, aber es spricht vieles dafür. In der schlimmsten Zeit hab ich jeden Tag ganze Teppiche mit angekauten Heubüscheln und ausgespucktem Wiedergekäutem aus dem Stall geholt. Ich hatte auch etwas Sorge, dass das für die anderen Tiere und vor allem ihre Kitze nicht gesund ist.
Einer der Tierärzte wollte ihr dann einen Magneten in den Magen setzen, weil er die Vermutung hatte, dass sie Metallteile im Magen hat. Leni hatte den Magneten dann einfach wieder hochgewürgt und ausgespuckt. Das war ein ganz klares Nein, das wir dann auch akzeptierten.
Im Juni 2022 wurde sie dann von ihren beiden Kitzen getrennt und durfte mit ihrer Herde bis Ende August auf eine Alm am Tegernsee. Während dieser Zeit bekam sie kein Heu. Dafür gab es jede Menge Kräuter und Gehölze. Auf der Alm waren dann alle Symptome von heute auf morgen weg und es ging ihr wieder viel besser. Sie hatte währenddessen zwar nicht wirklich zugenommen, aber die viele Bewegung und das natürliche Futter hatte ihr sehr gut getan. Man könnte sagen, dass war wie eine Gesundungskur für Leni.
Wir hatten dann auch beschlossen Sie im Herbst 2022 auf keinen Fall decken zu lassen, auch wenn es ihr wieder viel besser ging. Als sie wieder Zuhause war, fing das mit dem Heu wieder an. Zwar nicht so schlimm wie im Sommer und Winter zuvor, aber wir hatten Sorge, dass alles wieder von vorn los geht.
Und dann stieß ich auf Sensitiv Plus von Acrobs, von dem ich sehr froh bin, dass ich es ausprobiert hab. Denn ich hatte ebenfalls den Verdacht, dass zu viel Eiweiß auch zu ihrem Problem beiträgt. Denn das Heu kommt maßgeblich von sehr kleereichen Wiesen.
Also hatte ich im Herbst/Winter 2022 damit angefangen Leni hauptsächlich nur noch eingeweichte Sensitiv Plus Cobs mit Karotten, Kräutern und Mineral zu füttern. Jeculex gab ich ihr im Winter dann auch wieder. Die eingeweichten Cobs bekam sie pur zum Frühstück, eine Zeit lang auch mittags und am Abend dann mit dem Saftfutter, Kräutern und Mineral. Der Winter 2022/23 war kein Vergleich zu dem Winter davor. Ihr ging es richtig gut und sie hatte auch endlich Gewicht zugelegt. Durch die Haltung in einer separaten Box im Winter konnte ich auch sicherstellen, dass sie nur noch sehr wenig Heu bekam. Eher nur als Beschäftigung als zum satt werden.
Das Problem mit dem Heu ist leider geblieben. Momentan bekommt sie morgens und abends die eingeweichten Sensitiv Plus Cobs. Während der Weidezeit kann ich auf die Cobs zumindest an trockenen Tagen weitestgehend verzichten, da sie Frischfutter ganz gut verträgt. Hin und wieder bekommt sie die Cobs aber auch im Sommer. Heu versuch ich ihr möglichst wenig zu geben. Das scheint sie einfach nicht mehr zu vertragen. Ansonsten ist sie inzwischen aber wieder so gut in Form, dass sie eine Tierärztin fast nicht mehr wieder erkannt hätte. Sie war ganz begeistert, wie kräftig sie jetzt ist. Im Sommer 2021 konnte ich auf ihren Rippen Klavier spielen. Wenn ich jetzt mit der Hand drüber gehe, spüre ich keine Rippe mehr. Und sie ist mit 10 Jahren wieder so aufgeweckt und agil wie ein kleines Kitz. Ich bin sehr froh, dass wir alles versucht haben, sie wieder fit zu bekommen.
Wir wollten sie zwar wieder decken lassen, aber da die künstliche Besamung zu keinem Erfolg geführt hat und wir momentan keinen Bock haben, darf sie jetzt den Rest ihres Lebens bei uns verbringen ohne Nachwuchs zu bekommen. Sie ist eine sehr gute Chefin und stark genug, dass ihr das so schnell keine andere Ziege weg nimmt. Als es ihr schlecht ging, hatte sie den Chefposten zwischendurch fast kampflos aufgegeben. Aber sie hat ihn sich wieder zurück geholt ;-)
Was bei einem aufgeblähten Bauch bei einer unserer Ziegen geholfen hat
Wenn man seine Tiere gut kennt, sieht man recht schnell, wenn eine Ziege einen aufgeblähten Bauch hat oder einfach nur viel gefressen hat. Bei einem aufgeblähten Bauch sollte man schnell handeln. Bei uns hat das eine Mal, bei dem eine Ziege einen aufgeblähten Bauch hatte, ColoSan von Dr. Schaette sehr gut geholfen. Der aufgeblähte Bauch ist dann sehr schnell verschwunden. Deshalb hab ich das immer in der kleinsten verfügbaren Dosis vorrätig. Sobald es abgelaufen ist, besorg ich mir immer eine neue Flasche.
Hätte die Ziege nicht unmittelbar darauf angesprochen, hätte ich zur Sicherheit den Tierarzt angerufen.
Wie und ab wann wir unsere Ziegen-Kitze füttern
Ziegen-Kitze beginnen in der 3. Lebenswoche am Heu zu knabbern. Ab der 4. Lebenswoche bieten wir den Kitzen immer mal wieder geschnetzelte Karotten und gequetschten Hafer in sehr kleinen Mengen zusätzlich an. Im ersten Jahr hatte wir auf den Rat anderer Halter und Tierärzte auch Lämmerkorn im Einsatz. Aber ehrlich gesagt braucht es das nicht, solange die Kitze uneingeschränkt Milch bei der Mutter trinken dürfen. Die Muttermilch, gutes Heu, frisches Wasser, Salz, Mineral und vor allem eine gut versorgte Mutter sind laut unserer Erfahrung die wichtigsten Punkte für eine gute Entwicklung in den ersten Wochen und Monaten.
Sobald es auf die Weide geht ist vor allem eine sehr langsame Umstellung auf das Grünfutter wichtig und dass die Ziegen-Kitze mit der Mutter mitlaufen dürfen. Durch die Mutter lernen die Kitze, was sie fressen dürfen und was sie eher stehen lassen sollten. Sobald sich die Ziegen-Kitze an die Karotten und den Hafer gewöhnt haben, sind sie geradezu süchtig danach. Wir bieten den Hafer allerdings nur in sehr kleinen Mengen an.
Vor allem bei männlichen Ziegen-Kitzen sollte man auf Grund der Bildung von Harnsteinen mit Getreide und Lämmerkorn sehr vorsichtig umgehen. Auch bei der Gabe von Mineral sollte man bei männlichen Ziegen-Kitzen unbedingt auf die Empfehlung des Herstellers achten. Wichtig ist generell ein ausgewogenes Verhältnis von Calcium zu Phosphor (ca. 2:1). Wenn der Phosphorgehalt in der Nahrung zu hoch ist, wird die Bildung von Harnsteinen begünstigt. Wenn dieses Verhältnis nicht stimmt und zudem der Magnesiumgehalt z.B. durch eine zu Klee-reiche Weide zu hoch ist, steigt das Risiko der Harnsteinbildung nochmal. Ausreichend frisches Wasser und ein zu jeder Zeit zugänglicher Salzleckstein fördern die Harnverdünnung und reduzieren damit das Risiko der Harnsteinbildung.
Trächtigkeit und Geburt von Ziegen:
Rund um die Ziegen-Geburt
Der beste Rat ist der werdenden Mutter möglichst viel Ruhe in einer separaten Box zu gönnen und die Hände in den Hosentaschen zu behalten. D.h. eher Abstand halten, zuschauen und Ruhe bewahren.
Bei den ersten Geburten, die ich miterleben dufte, kamen 3 von 5 Kitzen ohne meine Anwesenheit zur Welt. Die Mütter scheinen das Zeitfenster genutzt zu haben, in dem sie möglichst viel Ruhe vor mir hatten ;-)
Über folgende Inhalte kann man sich zum Thema Geburt recht gut vorbereiten.
https://www.schafe-stmk-ziegen.at/fileadmin/user_upload/07_geburt.pdf
https://bioaustria.atlassian.net/wiki/spaces/WDBSZ/pages/721682456/Rund+um+Geburt+und+Fruchtbarkeit
https://www.weiss-die-geiss.de/behandlung/geburt
https://youtu.be/eri32edRZTM
Was wir bei Geburten erlebt haben und wo wir helfen mussten
In der Regel macht die Mutter alles allein. Das trifft vor allem auf erfahrene Muttertiere zu. D.h. man schaut nur dabei zu, wie die Kitze auf die Welt kommen, die Mutter die Kitze trocken schleckt und dann irgendwann auffordert etwas zu trinken. Man merkt recht schnell ob das auch klappt. Denn wenn das Kitz an der Zitze saugt, hört man es richtig schmatzen und sieht im Mundwinkel auch die weiße Flüssigkeit. Wenn das alles in den ersten 3 Stunden klappt ist alles gut. Was wir bei so einem Verlauf allerdings immer machen, ist dass wir die Nachgeburt weg räumen, damit die Mutter sie nicht auffrisst. Dann nehmen wir das Kitz und desinfizieren die Nabelschnur mit Jod und verabreichen ihm nach der ersten Milch einen Pumpstoß Chevivit. Die Mutter bekommt von uns dann am Tag der Geburt und einen Tag danach jeweils 5ml Multi-Mulgat. Und sobald die Nachgeburt draußen ist, bekommt die Mutter auch erstmal etwas Kraftfutter.
Im ersten Jahr hatten wir ein recht junges Muttertier, bei dem die Geburt zwar gut verlief, aber jedes Mal, wenn das Kitz trinken wollte, ist sie weg gesprungen. Wir haben die Mutter die ersten Male (auch nachts) dann einfach festgehalten, bis sie sich daran gewöhnt hatte, das Kitz trinken zu lassen. Nach ca. 3 Tagen hat dann alles ohne unsere Hilfe geklappt.
Im zweiten Jahr hatten wir 2 Fälle, bei denen wir etwas mehr nachhelfen mussten. Bei der ersten Mutter hatten wir trotz ihrer Erfahrung das Gefühl, dass sie etwas überfordert war und das zweite Kitz nicht richtig trocken schlecken wollte. Wir haben das Kitz dann mit einem Handtuch etwas trocken gerieben, nachdem wir es aus dem Geburtsschleim erstmal ins trockene Stroh gelegt hatten. Dann stellten wir fest, dass aus den Zitzen keine Milch raus kam. Das merkt man z.B. wenn ein Kitz versucht zu trinken und innerhalb von Sekunden von der Zitze wieder weg geht. Da beide Zitzen verstopft waren, haben wir sie angemolken bis Milch kam. Allerdings wollte das Kitz, das von der Mutter nicht gründlich abgeschleckt wurde, trotzdem nicht trinken und auch nicht aufstehen. Wir haben dann vor der ersten Milch 2 Pumpstöße Chevivit verabreicht und etwas abgewartet ob es von selbst trinken möchte. Nachdem das nicht der Fall war, haben wir etwas Milch abgemolken und dem Kitz mit einer Pipette verabreicht. Schon nach den ersten Tropfen Milch ist es dann auf den Geschmack gekommen, stand auf und wollte von der Zitze gar nicht mehr weg ;)
Bei der zweiten Mutter hatten wir einen ähnlichen Fall, bei dem die Zitzen zwar nicht verstopft waren und die Mutter beide Kitze auch gründlich abgeschleckt hatte, aber das zweite Kitz einfach nichts trinken und auch nicht aufstehen wollte. Da hat weder das Chevivit noch die Milch über die Pipette so richtig geholfen. Man hat dann auch gemerkt, dass das Kitz begonnen hatte zu frieren. Denn wenn sie in den ersten Stunden keine Milch trinken, kann es zu einer Unterkühlung kommen. Wir haben es dann eine Weile auf eine Wärmflasche gesetzt und ihm ein Hundemäntelchen angezogen. Nach mehreren Versuchen mit der Pipette und das Kitz an die Zitze zu führen, hat es dann endlich getrunken. Die ersten Tage hat es das Hundemäntelchen anbehalten und wir haben regelmäßig beobachtet ob es trinkt. Die Wärmfalsche haben wir die ersten Tage auch regelmäßig mit warmem Wasser befüllt und im Stall gelassen. Es hatte dann zwar immer wieder getrunken, aber relativ wenig. Es hat ein paar Tage gedauert bis es begonnen hatte normal zu trinken. Inzwischen hat sich das Kitz aber gut entwickelt.
Bei 2 Müttern hatten wir in den ersten Tagen auch Probleme mit den Eutern, die daher kamen, dass die Kitze nicht aus beiden Zitzen gleichmäßig getrunken hatten. Man sieht das daran, dass die eine Euterseite voller ist als die andere. Auf der volleren Seite kann die Zitze dann auch anschwellen und ist gerötet. In so einem Fall hat man dann erstmal Sorge, dass die Mutter eine Euterentzündung hat. Bei der einen Mutter hatten wir die volle Euterseite mehrmals ausgemolken und geschaut, dass die Kitze wieder auf beiden Seiten trinken. Wenn die Kitze noch sehr klein sind und die Zitze geschwollen ist, machen sie das oftmals nicht. Deshalb sollte man durch das ausmelken schauen, dass die Zitze wieder abschwillt. Und das geht nur, indem man die betreffende Seite komplett ausmelkt.
Bei der anderen Mutter hat es ausgereicht die Kitze immer wieder an die Zitze auf der volleren Seite zu führen. So haben sie gelernt, auf beiden Seiten zu trinken.
Eine Euterentzündung war es in beiden Fällen glücklicherweise nicht, denn sonst hätten unsere Maßnahmen nicht geholfen.
Unsere Fütterung während der Trächtigkeit und nach der Geburt
Als Anfänger einer Hobbyhaltung stellt man sich die Fütterung von Ziegen oft einfacher vor, als sie ist. Solange die Ziegen nicht trächtig sind, keine Milch geben und gesund sind, ist die Fütterung auch recht einfach. Da reicht eine Weide, Sträucher bzw. abgeschnittene Äste, ein gutes Heu, Salz, frisches Wasser, Mineralstoffe und Spurenelemente. Etwas komplizierter wird es während der Trächtigkeit und nach der Geburt oder wenn die Tiere gesundheitliche Probleme haben.
Letztendlich ist es wichtig, beurteilen zu können, welchen Ernährungszustand die Tiere haben. Dabei helfen kann das Body Condition Scoring oder auch der Tierarzt.
Außerdem sollte man die Tiere auch immer danach beurteilen, ob ein Mineralstoffmangel vorhanden ist. Sicherheit gibt hier bei einem Teil der Mineralstoffe und Spurenelemente eine Blutuntersuchung. Und ein Faktor, der einen großen Einfluss auf den Ernährungszustand haben kann, sind Parasiten, die dem Tier z.B. Blut absaugen.
Ich hab lange überlegt, ob ich hier eine konkrete Fütterungsempfehlung gebe. Da es aber von so vielen Faktoren abhängt, hab ich mich dazu entschieden, keine genauen Mengenangaben zu machen. In einem Kurs hab ich z.B. von einem Tierarzt gelernt, dass eine Mutterziege ab der 6. Woche vor der Geburt mindestens 200-300g Kraftfutter zusätzlich zum Heu benötigt. Denn ab dem 4. Monat passt 25% weniger Volumen in den Pansen und ab dem 5. Monat nur noch 50%. D.h. die Ziege muss den höheren Bedarf über Futter abdecken, das nicht so viel Platz benötigt wie das Heu.
Ich liege z.B. über den empfohlenen 300g und meine Tiere sind weit weg von einer Verfettung. Das Geburtsgewicht der Kitze hatte z.B. im Jahr 2022 eine Spannweite von 2,3kg bis 4,1kg.
Was den genauen Bedarf in der Trächtigkeit und nach der Geburt angeht, verweise ich gerne auf folgendes Dokument, in dem das sehr detailliert beschrieben wird und hilft, sich den Futterbedarf anhand der aufgeführten Inhaltsstoffe der Futtermittel auszurechnen.
Gruber Tabelle für die Fütterung von Ziegen (ab Seite 62)
Hier einige Futterkomponenten, die ich vor allem 6 Wochen vor und nach der Geburt, solange die Kitze Milch trinken, neben dem Grundfutter im Einsatz habe. Dabei werden nicht alle Komponenten die ganze Zeit und auch nicht in jedem Jahr gefüttert.
- eingeweichte Esparsette
- Hafer
- geschroteter Mais
- eingeweichte Rübenmelasseschnitzel
- Leinkuchen
- Leinsamen
- Sonnenblumenkerne
- Futterkalk
- Milchviehfutter von Meika (ersetzt dann die oben genannten Futtermittel)
- gehäckselte frische oder getrocknete eingeweichte Karotten und rote Beete
- Schale und Fruchtfleisch vom Kürbis oder Zucchini
- Bierhefe
- Kräuterkraft Stoffwechsel von Dr. Schaette
- Mineralpulver Ursonne Ziegen B von Dr. Schaette
- Ziegenmineral Natur von Fulminant
Egal welche Kombination an Futterkomponenten verwendet wird, ist es letztendlich nur wichtig, dass die Mutterziege und ihre Kitze mit allem Notwendigen versorgt wird. Dabei kann bei fast jeder Futterkomponente ein "zu viel" genauso problematisch sein wie ein "zu wenig".
Trotz allem sollte man keine Wissenschaft draus machen, solange man nur wenige Tiere und keinen großangelegten Milchbetrieb hat. Ich denke, die Tiere zu kennen und beurteilen zu können, ob es ihnen letztendlich gut geht, ist wichtiger als alles andere.
Was ich sehr empfehlen kann ist ein Kurs, der vom Ziegenzuchtverband Baden-Württemberg organisiert wurde. Darin ging es im speziellen um die Rationsberechnung und das nicht nur für Milchziegen, sondern auch für Ziegen in der Landschaftspflege. Vielleicht findet der Kurs ja mal wieder statt. Infos zum vergangenen Kurs findet Ihr hier.
Eine Empfehlung, wenn man sich nicht mit den Gruber Tabellen den Kopf zerbrechen möchte, um auf eine ausgeglichene Energie/Eiweiß Futtermischung mit dem richtigen Calcium/Phosphor Verhältnis zu kommen, ist die Verwendung von Milchleistungsfutter 4-6 Wochen vor der Geburt. Bzgl. der erforderlichen Menge kann hier auch die Gruber Tabelle helfen, so dass man den trächtigen Ziegen nicht zu viel davon gibt. Da z.B. Ziegen in der Landschaftspflege nur genug Milch für ihren Nachwuchs produzieren müssen, bekommen sie davon nach der Geburt auch entsprechend weniger als Milchleistungsziegen. Wichtig dabei ist nur, dass man das Futter langsam steigert. D.h. lieber ein paar Wochen früher mit einer sehr kleinen Menge starten, bevor man dann 4 Wochen vor der Geburt bei der Bedarfsmenge landet. Nach der Geburt muss man das Futter je nach Milchmenge dann nochmal entsprechend steigern. Ein Hersteller von Bio Milchleistungsfutter ist z.B. Meika-Biofutter
Unsere Erfahrungen mit einer künstlichen Besamung bei Ziegen
Tauernschecken sind grundsätzlich sehr fruchtbare Ziegen. Bei unseren Ziegen ist es z.B. nicht notwendig, dass ein Bock mehr als 2 Wochen für einen Deckeinsatz bei uns ist. Normalweise geht man auf Nummer sicher und lässt den Bock mindestens 2 fruchtbare Phasen zu den Ziegen. Bei unseren Ziegen reichen 7-10 Tage und alle sind gedeckt :-)
Da wir aktuell noch keine Möglichkeit haben einen Tauernschecken Ziegenbock ganzjährig zu halten, hatten wir uns in den ersten beiden Jahren einen Deckbock ausgeliehen. Das hatte beide Male sehr gut geklappt.
Der Grund, warum wir einen Ziegenbock nicht ganzjährig halten können, ist dass wir nicht alle weiblichen Ziegen jedes Jahr decken möchten. Wir möchten den Müttern auch gerne Mal eine Pause gönnen, die sie mit ihren Kitzen länger verbringen können. Und wenn es weniger Nachwuchs gibt, ist es auch leichter ein gutes neues Zuhause zu finden. Da wir den Bock auch nur im Herbst zu den weiblichen Ziegen lassen möchten, benötigen wir eine getrennte Unterbringung für den Deckbock und mindestens einen Kastraten. Und das gibt der Platz bei uns momentan leider noch nicht her.
Das Ausleihen eines Deckbocks ist leider auch eine gewisse Herausforderung. Denn jeder Betrieb hat unter Umständen einen anderen Status bzgl. TSE/Scrapie und wenn man einen Bock aus einem Betrieb ausleiht, der gar keinen TSE Status hat, verliert man seinen eigenen Status, den man sich jahrelang erarbeitet hat.
Und deshalb kamen wir im Jahr 2023 auf die Idee, unsere Ziegen künstlich besamen zu lassen.
Geplant und koordiniert wurde das gemeinsam mit den Öngenen in Österreich, wo wir die Samen bestellten, und der Klinik für kleine Wiederkäuer (LMU) in der Nähe von München, wo die Besamung durchgeführt wurde.
14 Tage vor der geplanten Besamung hatten wir 2 unserer Ziegen zur LMU gebracht, um ihnen ein Hormon-Schwämmchen einsetzen zu lassen. Das wurde ambulant durchgeführt, so dass wir die Ziegen gleich wieder mit nach Hause nehmen konnten.
Das Hormon-Schwämmchen diente zur Auslösung der Brunst zum geplanten Termin, an dem die Besamung stattfinden sollte. Dabei hatten wir jeden Tag kontrolliert, ob der Faden, der am Schwämmchen befestigt war, bei den Ziegen hinten noch raus hing. Denn wenn sie das Schwämmchen verloren hätten, wäre eine Besamung zu einem bestimmten Termin nicht möglich gewesen.
Die Samen wurden aus Österreich in einem Stickstoffbehälter zum geplanten Termin an die LMU geliefert. Vor der Bestellung der Samen hatten wir die Daten von ausgewählten, renommierten Tauernschecken Ziegenböcken bekommen, über die wir dann die Abstammung und die Bewertung geprüft und letztendlich die Auswahl getroffen hatten.
Zum geplanten Termin hatten wir die beiden Ziegen zur Entfernung der Schwämmchen und zur Besamung wieder zur LMU gebracht. Dieses Mal hatten unsere beiden Ziegen 2 Nächte in der Klinik verbracht. Währenddessen wurden die Ziegen 3 Mal an 2 aufeinanderfolgenden Tagen besamt.
Ein paar Wochen später kam dann die Tierärztin, mit der wir die Besamung bei der LMU geplant hatten, zu uns und hat einen Ultraschall bei den beiden Ziegen durchgeführt. Der Ultraschall ergab leider, dass die Besamung bei beiden Ziegen nicht erfolgreich war.
Unser Fazit bei diesem Experiment:
Es war unserer Meinung letztendlich zu viel Stress für die Tiere und wir haben viel Geld verbrannt. Und selbst wenn man es als sogenannter Eigenbestands-Besamer selbst durchführen darf, bräuchte man dafür viel Übung, damit es für die Tiere nicht zur Qual wird.
Also planen wir im Spätsommer 2025 uns entweder wieder einen Deckbock auszuleihen oder ihn gemeinsam mit einem anderen Betrieb zu kaufen, der die Möglichkeit hat, dass er dort auch eine Weile bleiben darf.
Parasiten und sonstige Lästlinge:
Unser Umgang mit resistenten Magen-Darm-Würmern
Resistente Magen-Darm-Würmer, also Würmer die auf bestimmte Entwurmungsmittel nicht mehr ausreichend ansprechen, in Schach zu halten, ist mit viel Aufwand und ausreichend Weidefläche verbunden. Die gute Nachricht ist, dass man das Problem mit viel Geduld, Hartnäckigkeit und Disziplin wieder in den Griff bekommen kann.
Laut einer Untersuchung, die ich in der Zeitschrift Schafe & Ziegen gelesen habe, steigt die Wurmlast auf einer Weide nach 2 Wochen Beweidung stark an und lässt nach 10-12 Wochen ebenso stark wieder nach. Daraus ergibt sich die Empfehlung, die Ziegen maximal 2 Wochen auf der selben Weide weiden zu lassen und die Weide dann mindestens 10 Wochen nicht mehr mit Ziegen, Schafen oder Neuweltkameliden zu beweiden. In dieser Zeit mäht man die Weide mindestens 1 Mal ab und macht daraus Heu oder lässt sie von Tieren wie z.B. Pferden oder Rindern abweiden, denen die Würmer der Ziegen nicht schaden können. Wir machen es auch oft so, dass wir kurz nach der Beweidung einen Hygieneschnitt machen, der entsorgt oder kompostiert wird, und erst beim Folgeschnitt dann daraus Heu machen. Dadurch verschwinden die Würmer zwar nicht ganz, aber der Wurmdruck wird stark abgesenkt.
Jetzt gibt es aber leider auch den Fall, dass bei schwülwarmem Wetter, sich die Wurmlarven des blutsaugenden Wurms schneller entwickeln. D.h. dass man kürzere Weidezeiten mit maximal 5 Tagen einplanen sollte. Deshalb gebe ich meinen Ziegen lieber ein kleineres Stück Weide und wechsel dafür mindestens 1x pro Woche. Zudem lasse ich die Tiere wenn möglich erst auf die Weide, wenn das Gras trocken ist. Nach der Beweidung kommen dann mindestens 12 Wochen keine Ziegen mehr drauf.
Tipps zum Weidemanagement bei Problemen mit resistenten Magen-Darm-Würmern:
- Eine Weide nur so groß stecken, dass im Idealfall alle 5 Tage (vor allem bei schwül-warmen gewittrigem Wetter), aber mindestens alle 14 Tage gewechselt werden kann.
- Bei den Weiden sollte darauf geachtet werden, dass sie sich nicht überlappen.
- Nach einer Beweidung, die Tiere erst nach 12 Wochen wieder auf diese Weide schicken und dazwischen mähen. Falls man Pferde hat, kann man die Weide auch von diesen Tieren abweiden lassen. Allerdings funktioniert das nicht mit Schafen oder Neuweltkameliden.
- Falls im immer zugänglichen Auslauf um den Stall etwas wächst, was die Tiere fressen, den Kot so oft wie möglich gründlich entfernen. Die Larven schlüpfen aus dem Kot nach ca. 2 Tagen und entwickeln sich dann zu infektiösen Larven in den Folgetagen weiter.
Tipps zur Kontrolle auf Magen-Darm-Würmer:
- Regelmäßig die Farbe der Augenschleimhäute mit der Famacha-Methode auf Hinweise einer Blutarmut kontrollieren.
- Das Haarkleid regelmäßig begutachten, ob es struppig wird.
- Den Ernährungszustand beurteilen, z.B. wenn das Tier trotz guter Ernährung abmagert.
- Die Kotkonsistenz beurteilen, z.B. wenn ein Tier Durchfall hat, der nicht durch einen Futterwechsel erklärbar ist.
- Kontrollieren, ob sich unter dem Kinn ein Flaschenhals bzw. Kehlgangsödem gebildet hat.
- Bei Verdacht, z.B. wenn einer oder mehrere der oben genannten Punkte zutreffen, auf Wurmbefall Kotproben im Labor untersuchen lassen. Allerdings nicht in der Winterzeit, da die Würmer bei niedrigen Temperaturen mehr oder weniger im Tier schlafen und keine Eier ausscheiden. Das könnte dann zu einem negativen Befund führen, obwohl die Tiere eine hohe Wurmlast haben.
Unter einer Wurmlast von 500 Eiern pro Gramm Kot (EpG) wird die Belastung (außer bei Nematodirus battus) als gering, 500–1.500 EpG als mittel und über 1.500 EpG als hoch beschrieben. Normalerweise entwurmt man ab einem Befall von 500 EpG (bei Nematodirus battus schon bei 100 EpG).
Allerdings würde ich ein Tier, das ein struppiges Fell hat und abgemagert ist, auch bei einer geringen Wurmlast entwurmen. Denn ein Tier, das topfit und gut genährt ist, kann mit einer geringen Wurmlast sicher besser umgehen, als wenn das Tier nicht fit ist.
Ich empfehle bei ein Kotuntersuchung immer die McMaster Methode, bei der man den EpG -Wert als Ergebnis bekommt. Nur so kann man die Ergebnisse auch gut miteinander vergleichen.
Am schlimmsten wirkt sich ein Befall mit einem blutsaugenden Wurm nach meiner Erfahrung in der Laktation aus. Denn die Ziegen magern nach der Geburt etwas ab und wenn Würmer im Tier überwintert haben, schlagen sie genau in der Zeit zu, in der sich der Hormonhaushalt umstellt. D.h. in dieser Zeit die Tiere lieber öfter begutachten als normalerweise und auf eine gute Versorgung mit Eiweiß und Kupfer achten.
Tipps zur Entwurmung bei Ziegen:
- Ziegen benötigen immer die doppelte Dosis eines Wurmmittels als die, die für Schafe angegeben ist. Ausgenommen bei Levamisol mit eine 1,5fachen Dosierung.
- 10-14 Tage nach der Wurmbehandlung immer eine Kotkontrolle durchführen, auch wenn das Tier nach der Behandlung wieder gesund aussieht. Wenn man mit der Kontrolluntersuchung zu lange wartet, kann sich das Tier schon wieder reinfiziert haben, so dass man nicht mehr beurteilen kann, ob das Mittel gewirkt hat.
- Nach der Wurmbehandlung müssen mindestens 95% der Würmer weg sein. Wenn das nicht der Fall ist, die betreffenden Tiere mit einem Mittel einer anderen Wirkstoffgruppe entwurmen.
- Vom Vorbesitzer der Tiere immer die Info geben lassen, mit was die Tiere die letzten Male wann entwurmt wurden.
- Entwurmungen während der Trächtigkeit vermeiden, auch wenn der Tierarzt und der Hersteller das als unbedenklich beurteilen. Auch bei Mitteln, bei denen das nicht passieren sollte, gab es schon Aborte.
- Das Weidemanagement so gestalten, dass 1-2 Entwurmungen pro Jahr ausreichen, damit die Resistenzbildung möglichst hinausgezögert wird.
- Nicht mehrere Jahre das gleiche Wurmmittel verwenden, weil die Resistenzbildung für den jeweiligen Wirkstoff sonst vorprogrammiert ist.
- Wenn Tiere ausgeliehen oder zugekauft werden, darauf achten, dass sie wurmfrei sind oder dass sie gleich zu Beginn entwurmt werden, bevor man sie zu den anderen Tieren auf die Weide lässt.
Man lernt am Besten selbst so viel wie möglich über die vorhandenen Wirkstoffe und Mittel. Denn wenn z.B. ein Tierarzt zu mir kommt, der Ziegen mit Panacur behandeln möchte, benötige ich selbst so viel Wissen, dass ich seine Empfehlung zumindest anzweifeln kann. Denn Panacur gehört z.B. zu der Wirkstoffgruppe, die viel zu lange und zu oft nach dem Gießkannenprinzip angewendet wurde. Das Ergebnis davon ist, dass fast kein einziger Wurm, außer vielleicht der Peitschenwurm, sich davon auch nur beeindrucken lässt. Man braucht leider sehr viel Glück, dass dieser Wirkstoff noch hilft und wenn ein Tier Würmer hat, sollte man nicht mit zu vielen verschiedenen Wirkstoffen experimentieren müssen, damit dem Tier möglichst schnell geholfen werden kann.
Was ich allerdings auch nicht empfehle ist eine Entwurmung in Kombination mit einer stark belastetsten Weide ohne Weidewechsel oder Aufstallung. Denn dann entwurmt man das Tier letztendlich alle paar Wochen und hat ganz schnell resistente Würmer. Es wird zwar auf Grund der Resistenzen nicht empfohlen, das Tier nach der Entwurmung direkt auf eine nicht belastete Weide zu stellen, aber es macht meiner Meinung nach auch keinen Sinn das Tier wochenlang auf der stark belasteten Weide zu lassen, damit es sich nur reinfiziert. Am Besten ist, man nimmt das Tier von der Weide runter, entwurmt es und stellt es nach einer erfolgreichen Entwurmung auf eine saubere Weide. Wichtig dabei ist, dass die Entwurmung wirklich erfolgreich war und keine Würmer mehr vorhanden sind. Denn wenn noch resistente Würmer vorhanden sind und das Tier auf eine wurmfreie Weide gestellt wird, vermehren sich auf dieser Weide nur die resistenten Würmer, wodurch das Problem noch verstärkt wird.
Leider gibt es nicht mehr viele Mittel, die noch eine hohe Wirksamkeit haben. Deshalb ist es so wichtig, die Parasiten möglichst über das Weidemanagement und den Ernährungszustand der Tiere in Schach zu halten.
Folgende Seite, kann ich bzgl. Parasitenmanagement sehr empfehlen:
www.weide-parasiten.de/ziege2
Dort findet Ihr z.B. gute Infos, wie man das Weidemanagement gestalten kann. Denn jeder hat andere Voraussetzungen mit denen man umgehen muss.
Ebenfalls sehr empfehlenswert ist die Wissensdatenbank von BIO AUSTRIA: https://bioaustria.atlassian.net/wiki/spaces/WDBSZ/pages/730791943/Weideparasiten
Und hier ein Artikel, den ich zu dem Thema ebenfalls empfehlen kann:
"Entwurmung von Kleinen Wiederkäuern in der Praxis: Warum, wann und womit?"
Unser Umgang mit einem positiven Kokzidien-Befund
Wenn bei einer Kotuntersuchung raus kommt, dass die Tiere Kokzidien haben, ist das erstmal kein Grund zur Sorge. Dass Ziegen Kokzidien haben, ist grundsätzlich normal. Eine Tierärztin hat mir mal erklärt, dass es unter den Kokzidien nur sehr wenige Erregertypen gibt, die eine Kokzidiose verursachen. Und wenn man die Kokzidien reduzieren möchte, geht das am Besten über die Stallhygiene.
Tipps zur Stallreinigung bei Kokzidien in der Wissensdatenbank von BIO AUSTRIA
Von einer hohen Kokzidien-Belastung spricht man ab einer Ausscheidung von 1000 Eiern pro Gramm Kot (EpG). Die erwachsenen Ziegen müssen in der Regel nicht behandelt werden. Bei kleinen Kitzen, vor allem bis zu einem Alter von 6 Wochen, kann man sich mit dem Tierarzt beraten, ob man die Tiere bei einer hohen Belastung vorbeugend behandelt. Sollte eine Kokzidiose ausbrechen, muss sehr schnell gehandelt und der Tierarzt gerufen werden.
Bio Austria schreibt hierzu:
Kokzidien sind einzellige Parasiten, die in der Darmschleimhaut leben und vor allem bei Lämmern und Zicklein wässrigen, übel riechenden, grünlichen bis blutigen Durchfall verursachen können. Erstes Krankheitszeichen sind oft Kotperlen, die mit Schleim überzogen sind und wie eine Perlenkette aussehen. Die Tiere sind um den After sehr verschmutzt, matt, appetitlos und magern rasch ab. Bei hochgradiger Erkrankung kommt es durch die massiven Blutungen im Darm schon nach ein paar Tagen zum Tod. Bei weniger heftigem Verlauf führt der Durchfall und die Abmagerung zu einem Kümmern und Zurückbleiben in der Entwicklung.
Quelle: https://www.bio-austria.at/a/bauern/typische-schaf-und-ziegenkrankheiten/#kokzidien
Fliegen, Bremsen und Hirschlausfliegen
Fliegen
Fliegen lieben es, sich im Stallmist zu vermehren, besonders gerne in Ecken, Fugen und sonstigen Ritzen. Das natürlichste Mittel gegen Fliegen sind Schwalben, die gerne ihren Nachwuchs damit füttern. Da wir leider keine Schwalben im Stall haben und die Spinnen über die Anzahl der Fliegen auch nicht Herr werden, setzen wir ein Fliegenspray im Stall und eine Fliegenfalle außerhalb vom Stall ein.
Da ich vermeiden möchte, dass die Ziegen in Kontakt mit dem Fliegengift kommen, verwende ich es hauptsächlich beim Ausmisten. D.h. bevor der Stall geputzt wird und keine Ziegen mehr im Stall sind, sprüh ich die Ecken, Fugen und sonstige Ritzen ein.
Außerhalb vom Stall und außer Reichweite der Ziegen hängen wir in den milden und heißen Jahreszeiten eine sehr wirksame Fliegenfalle auf, die alle paar Wochen erneuert wird.
So kann man in Kombination mit regelmäßigem Ausmisten die Fliegenpopulation auf einem erträglichen Maß halten.
Bremsen
Seit wir Ziegen haben, haben sich leider auch Bremsen bei uns eingefunden. Zuerst kommen meistens die großen Pferdebremsen und wenn die Zeit nach ein paar Wochen vorbei ist, kommen die fiesen kleinen schwarzen Bremsen, die auch auf uns Menschen los gehen.
Für die Tiere ist die Belastung teilweise so groß, dass sie sich dann nur noch im Schatten oder an einer windigen Stelle aufhalten um die Lästlinge einigermaßen von sich fern zu halten. D.h. aber auch, dass sie weniger fressen, weil sie hauptsächlich damit beschäftigt sind, nicht gebissen zu werden.
Wir haben vor ein paar Jahren einen Walnussbaum direkt vor dem Ziegenauslauf gepflanzt. Denn die ätherischen Öle des Wallnussbaums sollen diese und andere Lästlinge anscheinend fern halten. Wenn er nur etwas schneller wachsen würde :-)
Hirschlausfliegen
Da wir am Waldrand wohnen, tauchen bei uns in jedem Spätsommer und Herbst Hirschlausfliegen auf. Wir finden die dann relativ oft im Fell der Ziegen, wenn sie sich noch eine geeignete Stelle suchen oder am Kinn, wenn sie bereits zugebissen haben. Die Hischlausfliegen werden umgangssprachlich auch fliegende Zecken genannt. Wir kontrollieren die Ziegen während dieser Zeit regelmäßig und entfernen dann die Hischlausfliegen schnellstmöglich. Im Prinzip gehen wir mit den Hirschlausfliegen genauso um wie mit Zecken. Wobei wir bei den Ziegen viel weniger Zecken als Hirschlausfliegen finden.
Hier ein paar weitere Infos dazu. Vor alle wie sich die Hirschlausfliegen im Aussehen von Zecken unterscheiden. https://www.forstpraxis.de/die-hirschlaus-eine-fliegende-zecke-und-gefaehrlich-23299
Medizinische Behandlungen und unsere Stallapotheke:
Unsere Erfahrung mit einer Clostridien Impfung
Als wir mit der Ziegenhaltung begonnen hatten, wollten wir natürlich alles richtig machen. Also hatten wir entschieden, die erwachsenen Ziegen und die Kitze vom Tierarzt gegen Clostridien impfen zu lassen.
Da uns der Vorbesitzer der trächtigen Ziegen nicht genau sagen konnte, wann die Ziegen gedeckt wurden, hatten wir mit dem Tierarzt vereinbart die Impfung erst nach der Geburt der Tiere durchzuführen. Das bedeutete, dass alle Tiere 2x geimpft werden mussten, da keines der Tiere eine Grundimmunisierung hatte.
Die erste Impfung ist bei allen recht gut gelaufen. Die Tiere hatten das alles sehr gut weggesteckt. Nach der zweiten Impfung standen die Mütter dann 2-3 Tage etwas apathisch rum und bei 4 von 5 geimpften Kitzen hatten sich Tennisball-große Abszesse gebildet. Da die Tierärztin die Impfung an der Stelle verabreicht hatte, wo es der Hersteller empfiehlt, also am Hals, hatte das bei den meisten Kitzen zu sehr starken Bewegungseinschränkungen geführt. Eines der Kitze war völlig verängstigt und hatte kaum gefressen. Die Abszesse mussten vom Tierarzt mehrmals aufgeschnitten und mit Jod ausgespült werden.
Ganz ehrlich: In dieser Zeit hab ich relativ oft geweint. Die Tiere so leiden zu sehen, hab ich bis heute nicht vergessen.
Laut Tierärzten (ja mehrere) war der Impfstoff nicht verunreinigt und sie hatten so eine Reaktion auf die Impfung im gesamten Team noch nie gesehen.
Inzwischen weiß ich, dass diese Reaktion bei Ziegen leider relativ oft vorkommt und erfahrene Tierärzte die Impfung deshalb immer an einer Stelle verabreichen, wo es zu keinen Bewegungseinschränkungen kommt. Als ich diese Info bekommen hatte, hatte ich entschieden, den Tierarzt zu wechseln. Denn das war leider nicht die einzige schlechte Erfahrung, die ich mit dieser Praxis gemacht hatte.
Ein Jahr danach stand wieder die Entscheidung an, die Tiere impfen zu lassen oder nicht. Aus Vernunft und weil so viele auf Grund der Breinierenkrankheit dazu raten, hatte ich sogar einen Termin ausgemacht und da ich den Geburtstermin ausrechnen konnte, wollte ich die trächtigen Mütter impfen, so dass die Kitze nur 1x geimpft werden mussten. Leider kamen dann die sehr emotionalen Erinnerungen hoch, weshalb ich mich schlussendlich dann gegen die Impfung entschieden hab. Die Tiere werden seitdem auch nicht mehr gegen Clostridien geimpft.
Ich bekomm von diversen Tierärzten regelmäßig schon fast Vorwürfe, warum ich die Tiere nicht dagegen impfen lasse. Dadurch kommt bei mir immer wieder die Angst vor der Breiniere etwas hoch. Aber damit muss ich umgehen und bisher ist dies bzgl. jeder Sommer glücklicherweise gut gelaufen.
Bei anderen Impfungen, wie z.B. Blauzunge, achte ich immer darauf, dass die Impfung nur von Tierärzten durchgeführt wird, die auf kleine Wiederkäuer spezialisiert sind.
Was wir in unserer Stallapotheke haben
Unsere Stallapotheke inkl Hilfsmittel, unabhängig ob wir Nachwuchs erwarten oder nicht:
- Eichenrinden Tee
- Kamillenblüten Tee
- naturtrüber Apfelessig
- Natron
- Bierhefe
- Stullmisan Pulver
- Dr. Schaette`s ColoSan
- Mineraldrench zur Sofort-Versorgung mit Spurenelementen, Vitaminen und Energie
- Jod Desinfektions-Spray
- Wundsalbe
- Urin Teststreifen
- Entwurmungsmittel, z.B. Zolvix
- Fieberthermometer
- feuchte Reinigungstücher
- Einmalhandschuhe
- Zeckenzange
- Dosierspritze mit Eingabekanüle
- verschieden große Einmalspritzen
Unserer Stallapotheke inkl. Hilfsmittel, wenn wir Ziegen-Kitze erwarten:
- Chevivit E-Selen K
- Kühlgel für das Euter
- Wärmflasche
- Hundemäntelchen
- Pipette
- Eimer
- frische Handtücher
Was wir uns nur besorgen, wenn wir es benötigen:
- VeyVo Jecuplex
Was wir in unserer Stallapotheke haben und bisher nie gebraucht haben:
- Stetoskop
- Wärmelampe
- Gleitmittel für die Geburtshilfe
- Lange Einmalhandschuhe für die Geburtshilfe
- Melkfett
- Aktivkohle
Silvester Feuerwerk:
Unsere Strategie an Silvester, die bisher bei unsere Ziegen am Besten funktioniert hat
Unser Ziel an Silvester ist es zu verhindern, dass die Ziegen in Panik geraten. Denn Panik kann dazu führen, dass sich die Ziege selbst oder auch andere Ziegen verletzt. Dass ich ihnen die Angst komplett nehmen kann, hab ich bisher leider nicht geschafft.
Anfang Dezember starte ich damit, dass ich im Stall immer mal wieder ruhige, instrumentale Gitarren-Musik abspiele. Zu Beginn eher leise. Nicht jeden Tag, aber mehrmals die Woche. Das wird dann bis Ende Dezember entsprechend gesteigert, so dass es die Ziegen gewohnt sind, dass die Musik mehrmals täglich und auch etwas lauter läuft.
Am 31. Dezember lasse ich das Licht im Stall nach der Versorgung am Abend an. Die Fenster klebe ich komplett ab, aber erst am späten Nachmittag.
Über Kameras, die im ich Stall das ganze Jahr angebracht hab, schau ich dann immer wieder ob die Ziegen noch entspannt sind oder durch die schon frühe Knallerei unruhig werden. Solange es nur vereinzelt und weiter entfernt knallt, reagieren meine Ziegen kaum und bleiben eigentlich bis kurz vor Mitternacht eher entspannt.
Spätestens um 23.30 Uhr gehe ich mit meinem Mann dann mit frischem Heu in den Stall. Die Musik mach ich dann auch schon an. Kurz bevor es mit der Knallerei dann so richtig los geht, stell ich die Musik dann lauter. Ich verwende dafür einen separaten Lautsprecher, da die maximale Lautstärke meines Handys zu leise ist. Das Wichtigste dabei ist, dass die vertrauten Personen da sind und möglichst ruhig und entspannt bleiben. Sobald die Angst bei den Ziegen los geht, hören sie in der Regel auf zu fressen und bei größerer Angst, beginnen sie zu zittern. Wir bleiben dann mindestens bis 0.30 Uhr im Stall, bis die Knallerei stark nachgelassen hat und die Ziegen keine Angst mehr haben. Dann machen wir die Musik und das Licht aus und verlassen den Stall. Über die Kameras beobachte ich dann noch die Ziegen ein paar Minuten ob sie entspannt bleiben oder unruhig werden.
Seit ich weiß, welche Auswirkungen diese Knallerei und vor allem das Pfeifen der Raketen bei Tieren hat, bin ich ein vehementer Gegner des Silvesterfeuerwerks. Vor allem sind Wildtiere völlig auf sich alleine gestellt. Ich bin eigentlich gegen Verbote, aber an Silvester setzt leider jegliche Rücksichtnahme komplett aus. Man stößt selbst bei direkten Nachbarn auf absolute Sturheit. Und wir wohnen direkt am Waldrand, in dem viele Wildtiere leben. Deshalb bin ich bei dem Thema für ein Verbot und möchte hiermit auf die Aktion der Deutschen Umwelthilfe und der Gewerkschaft der Polizei hinweisen.
https://www.duh.de/mitmachen/boellerfreies-silvester/
https://innn.it/boellerverbot
Ziegen-Erziehung:
Halsband vs. Halfter und was wir wann bei unseren Ziegen verwenden
Im Prinzip unterscheiden wir inzwischen ob wir die Ziegen kurz anbinden möchten oder ob wir mit den Ziegen spazieren gehen möchten. Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Tiere zum Halsband als auch zum Halfter eine möglichst positive Verbindung haben. An beides müssen sich die Ziegen allerdings erst gewöhnen. Je früher man damit anfängt, desto besser.
Halsband mit Leine
Das Halsband mit Leine setzen wir z.B. ein, wenn es im Auslauf eine Fütterung gibt, bei der wir sicherstellen wollen, dass die rangniederen Tiere von der Ration auch etwas abbekommen sollen. Dann werden entweder nur die 3 ranghöchsten oder alle Tiere kurz angebunden. Alternativ halten wir für die 2 rangniedrigsten Tiere die Schüssel immer in der Hand und halten die jedes Mal hoch, wenn ein ranghöheres Tier sich den Inhalt schnappen möchte :-)
Ein anderer Einsatzzweck für das Halsband mit Leine ist der Tierarztbesuch. Z.B. wenn alle Tiere eine Impfung bekommen. Dann werden die Ziegen, kurz bevor der Tierarzt kommt, angebunden. Denn wenn der Tierarzt erstmal da ist, wissen die Ziegen dass da jemand ist, der etwas von ihnen will, das sie nicht gerne mögen. Und dann wird es schwierig. Nach der Behandlung werden die Tiere dann immer mit Leckerlies oder Futter belohnt, damit zumindest eine positive Erinnerung bleibt. Die meisten unserer Tiere mögen Tierärzte leider gar nicht.
Die herkömmlichen Halsbänder tragen unsere Ziegen nicht dauerhaft, sondern nur unter Aufsicht. Uns ist das Risiko zu groß, dass eine Ziege daran hängen bleibt und sich ohne menschliche Hilfe nicht befreien kann.
Inzwischen tragen unserer Ziegen dauerhaft Sicherheitshalsbänder, die von mecker.ch entwickelt wurden. Da wir momentan noch eine kleine Herausforderung mit dem Karabiner an den Halsbändern haben, sind wir noch etwas am testen. Ich hatte aber tatsächlich inzwischen den Fall, dass eine Ziege sich selbst befreien konnte, nachdem sie sich mit dem Halsband bzw. dem Karabiner in einem Futtersack eingehängt hat. D.h. das Prinzip funktioniert, so dass ich die Halsbänder auf jeden Fall empfehlen kann.
Wenn man Ziegen daran gewöhnen möchte, an der Leine zu gehen, ist es nach unserer Erfahrung gut, wenn man die Tiere im ersten Schritt nur hin und wieder kurz anbindet und das mit Futter kombiniert. Wichtig dabei ist, dass man beim anbinden, die Rangfolge beachtet. D.h. beim anbinden beginnt man mit der ranghöchsten Ziege und beim wieder los binden beginnt man mit der rangniedrigsten Ziege. Man geht dann je nach Position in der Hierarchie von Ziege zu Ziege. Wenn man sich nicht an die Rangfolge hält, kann es passieren, dass eine noch nicht angebundene ranghöhere Ziege eine rangniedrigere Ziege attackiert. Und wenn dann die rangniedrigere Ziege nicht flüchten kann, ist das eine sehr negative Erfahrung für das betreffende Tier. Die lässt sich das nächste Mal dann eher ungern anbinden.
Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass man die Ziegen angebunden nicht alleine lässt. Denn es kann passieren, dass sich die Ziege mit der Leine so verwickelt, dass sie sich schlussendlich auch verletzten kann. Deshalb sollte aus unserer Erfahrung immer jemand dabei bleiben, wenn die Ziegen angebunden sind.
Grundsätzlich kann man mit Halsband und Leine auch Spaziergänge mit den Ziegen machen. Allerdings hat das Halsband gegenüber dem Halfter einen Nachteil. Wenn die Ziegen ungeduldig werden und zu wenig trainiert sind, können sie durch ihre Kraft ganz schön ziehen. Da man in dem Moment vermeiden möchte, dass die Ziegen sich mit dem Halsband die Kehle einschnüren, rennt man den Ziegen dann oftmals hinterher. Das sind dann eher unschöne Erlebnisse. Training kann dabei helfen, dass die Ziegen das nicht machen, aber es kann auch Situationen geben, in denen die Ziegen z.B. vor Hunden oder fremden Menschen Angst bekommen und das ganze Training dann kurzzeitig vergessen. Und dann ist man ganz sicher am hinterher rennen oder lässt die Leine dann sogar los. Empfehlenswert ist hierfür eine flexible Roll-Leine, die man ein- und ausziehen kann. Damit hat das Tier mehr Bewegungsfreiheit.
Halfter mit Leine
Mit dem Halfter können die Ziegen ihre Kraft nicht einsetzen. D.h. die Ziege kann daran nicht ziehen und sich somit nur im Bereich der Leine bewegen. Um die Ziegen an den Halfter zu gewöhnen, kann man z.B. Leckerlies spielerisch einsetzen. Dabei versucht man, dass die Ziege Ihre Nase durch das Halfter steckt. Immer wenn sie das zwanglos macht, lobt man die Ziege wörtlich als auch mit einem Leckerli. Wichtig ist, dass man die Ziege nicht überfordert. Ein großer Fortschritt ist, wenn die Ziege sich das Halfter, ohne sich zu wehren, anziehen lässt. Dann lässt man der Ziege das Halfter eine Weile an und zieht es dann nach ca. 15-30 Minuten wieder aus. Das kann man dann ein paar Mal an verschiedenen Tagen machen, bevor man die Leine am Halfter befestigt und mal versucht mit der Ziege eine Runde zu drehen. Zu Beginn wird die Ziege versuchen zu ziehen und das Halfter los zu werden. Am Besten ganz geduldig mit der Ziege umgehen und zu Beginn nur sehr kurze Runden drehen, bevor ein längerer Spaziergang geplant wird. Das sollte erst in Angriff genommen werden, wenn die Ziege sich mit dem Halfter und der Leine wohlfühlt. Am Besten ganz langsam voran tasten und der Ziege und auch sich selbst Zeit geben. Die Ziege sollte zu nichts gezwungen werden, denn sonst verbindet sie das Halfter eher mit einem negativen Erlebnis. Und noch ein wichtiger Punkt: Spaziergänge, auch wenn es nur sehr kurze Runden sind, immer mit mindestens 2 Ziegen machen. Eine Ziege fühlt sich alleine immer unsicher, wenn sie von der Herde getrennt ist.
Sehr schöne, hochwertige und langlebige Halfter bekommt Ihr im Mecker Shop. In den Halftern steckt sehr viel Erfahrung und Entwicklung. Und wenn mal etwas kaputt geht, kann man die Halfter auch reparieren lassen.
Was wir unseren Ziegen möglichst abgewöhnen und was wir zulassen
Das Wichtigste für uns im Umgang mit unseren Ziegen ist Respekt gegenüber den Tieren und das unsere Ziegen sich verhalten dürfen wie Ziegen. Dabei ist aber ebenso wichtig, dass die Ziegen auch uns respektieren, so dass sie uns und andere Personen z.B. nicht attackieren. Besonders bei männlichem Ziegen-Nachwuchs ist es wichtig, dass sie nicht zur Gefahr werden, wenn sie ausgewachsen sind. Das Ziel dabei ist immer, dass uns die Ziegen vertrauen und keine Angst vor uns Menschen haben.
Das bedeutet z.B. dass wir Ziegen-Kitzen schon relativ früh gewisse Grenzen aufzeigen, wenn sie einen gegen das Bein boxen. Mit den Ziegen spielerisch zu kämpfen, egal wie süß das in den ersten Wochen ist, ist für uns tabu. Die Kitze dürfen uns auf den Schoß springen, sich auf uns drauf legen, aber nicht boxen. Wenn sie das tun, gehen wir z.B. weg. Wenn es warm genug ist, bekommen sie Wasser aus der Spritzpistole oder einer Sprühflasche ab.
Bei uns werden Tiere bei unerwünschtem Benehmen nicht auf den Rücken gelegt. Denn man muss immer bedenken, dass man eine Ziege dabei auch verletzten kann. Wir setzen dafür lieber Spritzpistolen in 2 unterschiedlichen Stärken und ein Wasserspray ein und das nur wenn es keine Minusgrade hat. Wenn sie die Pistolen und Wassersprays kennen, reicht es manchmal das Ding in die Hand zu nehmen, um das unerwünschte Verhalten zu ändern. Die Ziegen mögen in der Regel kein Wasser.
Es gibt aber auch besondere Fälle, in denen wir respektieren, wenn uns eine Ziege attackiert. Und zwar immer dann, wenn wir die Ziege z.B. aus medizinischen Gründen an einer Stelle anfassen müssen, wo sie das als sehr unangenehm empfindet. Bei fast allen Ziegen gibt es eine Stelle, wo sie einfach nicht angefasst werden möchte und das respektieren wir. Wenn die Attacke etwas zu heftig ist, dann halte ich die Ziege manchmal kurz an den Hörnern fest. Auch wenn wir respektieren, dass die Ziege an einer bestimmten Stelle nicht angefasst werden möchte, geben wir ihr trotzdem zu verstehen, dass wir nicht attackiert werden möchten.
Wenn sich eine Ziege an uns reiben möchte, lassen wir das zu. Wir haben eine spezielle Ziege, die dabei aus lauter Freude mit dem Schwanz wedelt. Wir haben inzwischen auch ganz gut raus, wie wir dabei keine Hörner und somit keine blauen Flecken abbekommen. Ich weiß, dass es Meinungen dazu gibt, dass man das auf keinen Fall zulassen sollte und es nichts mit Zuneigung oder etwas ähnlich Positivem zu tun hat. Allerdings ist es uns sehr wichtig, dass eine Ziege einfach mal Ziege sein darf. Und ich bin überzeugt davon, dass es unserer Idi sehr viel Freude macht, wenn sie das tun darf. Wenn sie das freut und uns nicht stört, dann spricht meiner Meinung nach nichts dagegen. Egal was die Ziege dabei im Schilde führt :-)
Hier ein kurzes Video auf Instagram von Idis täglichem Ritual